Daniel Lozakovich: Stradivari statt Centre Court

Mehr als ein Wunderknabe“, titelte Der Tagesspiegel im Februar 2018 nach einem Konzert mit dem mittlerweile 17jährigen Geiger Daniel Lozakovich in Berlin – und begründet: „ein absolut seriöser junger Interpret, der hörbar aus eigenem Antrieb handelt“. Weniger als hochvirtuoses Wunderkind, sondern als reflektierter Jungmusiker präsentiert sich Daniel Lozakovich mit seinem Spiel, dessen außergewöhnliche Reife bereits prominente Musiker-Kollegen wie Dirigenten Valery Gergiev oder Andris Nelsons überzeugt hat. Hatten seine Eltern für den vielseitig interessierten Daniel zunächst eine Karriere als Tennis-Profi vorgesehen, macht er nun mit Aufstrich statt Rückhand seinen Weg – dass seine Musik nicht nur von Talent, sondern auch umfassendem Verständnis für ein Werk lebt, zeigt ab Juni auch seine Debüt-Aufnahme als Exklusivkünstler der Deutschen Grammophon mit Werken Johann Sebastian Bachs.

Der Junge verfügt über eine Wahnsinns-Technik, eine nahezu perfekte Intonation, eine große Sicherheit mit dem Bogen, die ihm einen schlanken, luftigen, leuchtenden Klang ermöglicht. Lozakovichs Beethoven ist von zarter Empfindsamkeit, mit Halbtonfarben und wunderbar geschwungenen Phrasen, die bis zum letzten Hauch der Note gehalten werden, eine Verweigerung auch nur der leisesten Versuchung, zu bluffen.“ – Im Dezember 2017 zeigte sich Le Monde stark beeindruckt von Daniel Lozakovich, der mit Beethovens Violinkonzert in Paris eines der Heiligtümer des Violinrepertoires interpretierte. Nicht nur in diesem Zitat wird deutlich, dass Lozakovich vor allem mit Zurückhaltung überrascht: Wo andere Virtuosen ihre Technik theatral herausstellen, lässt er der Musik allen Raum und sein Spiel für sich sprechen. Zu dieser Haltung mag auch seine Bewunderung für die „alten Meister“ der Geige wie Christian Ferras, Jascha Heifetz, Leonid Kogan oder Yehudi Menuhin beitragen; stark beeinflusst haben Daniel Lozakovich ebenfalls sein Lehrer Josef Rissin sowie Eduard Wulfson, der ihn seit 2015 künstlerisch betreut.

Dass Daniel Lozakovich, der 2001 in Schweden geboren wurde, mit sechs Jahren begann, Geige zu spielen, war dabei fast Zufall: Seine Eltern, beide keine Musiker, schickten den sportbegeisterten Daniel in die Musikschule, wo er sich zielstrebig die Violine als Instrument aussuchte. Bereits nach der ersten Stunde bescheinigte ihm seine Lehrerin außerordentliches Talent, und zwei Jahre später debütierte Daniel mit den Moskauer Virtuosen und Vladimir Spivakov. In den folgenden Jahren erspielte er sich in Konzerten und zahlreichen prämierten Wettbewerbsauftritten die Aufmerksamkeit der Branchenkenner – und prominenter Förderer: Valery Gergiev lud ihn bereits 2015 als Solist ein, und in den nächsten Monaten folgen Konzerte mit u.a. Andris Nelsons, Semyon Bychkov, Hartmut Haenchen und Robin Ticciati.

2016 verkündete die Deutsche Grammophon, Daniel Lozakovich für eine langfristige Zusammenarbeit als Exklusivkünstler unter Vertrag zu nehmen. Im Juni 2018 folgt die erste Aufnahme, mit der er schließlich auch einem breiteren Publikum seine musikalischen Ideen vorstellt. Mit Bach steht dabei ein Komponist im Fokus, dessen Musik laut Lozakovich zeige, was für ein Musiker man sei – und hinter der man sich nicht verstecken kann. Das hat Daniel Lozakovich auch nicht nötig, zeigt er mit dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in Bachs Violinkonzerten Nr. 1 und Nr. 2 sowie der zweiten Partita für Solovioline doch sehr glaubhaft seine Begeisterung und Begabung auch für kammermusikalisches Musizieren, die er in der Vergangenheit bereits mit Ivry Gitlis, Daniel Hope oder Martin Fröst unter Beweis stellte.

Aller musikalischen Begabung zum Trotz ist Daniel Lozakovich auch außerhalb der Musik so aufgeschlossen wie vielfältig interessiert. Obwohl die Tenniskarriere abgesagt ist, begeistert sich Daniel neben seinem Schulalltag in Genf weiterhin für Sport, vor allem für Fußball und Boxen. Mit den Beatles, Eric Clapton oder Django Reinhardt kann er ebenso viel anfangen wie mit Bach, Beethoven oder Bartók – seine eigene Entwicklung sieht er dabei gelassen, will er sich sein Repertoire doch lieber nachhaltig erarbeiten und erst erweitern, wenn er sich reif dafür fühlt. Als junger Musiker, der seine musikalischen Anliegen stilsicher zu vermitteln weiß, ist Daniel Lozakovich ganz sicher einer, den man im Auge behalten sollte – und weitaus mehr als nur Wunderknabe.

 

Johann Sebastian Bach

VÖ: 08.06.2018 (Deutsche Grammophon)

 

Daniel Lozakovich, Violine

Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

 

Violinkonzert Nr. 1 in E-Dur, BWV 1042

I. Allegro / II. Adagio / III. Allegro assai

 

Violinkonzert Nr. 2 in a-moll, BWV 1041

I. Allegro moderato / II. Andante / III. Allegro assai

 

Partita Nr. 2 in d-moll, BWV 1004

I. Allemande / II. Courante / III. Sarabande / IV. Gigue / V. Chaconne

 

Weitere Informationen unter:

www.lozakovich.com

www.deutschegrammophon.com