Ein „Traumwerk“ für Alte und Neue Musik von Elina Albach

  • Konzeptalbum verbindet barocke Lyrik und Musik mit zeitgenössischen Werken für Cembalo und Violine
  • Außergewöhnliche Gestaltung und Format heben unkonventionellen Anspruch des Projekts hervor
  • Initiatorin ist Ensemblegründerin Elina Albach, Fellow bei #bebeethoven und u.a. durch Kulturstiftung des Bundes gefördert
  • Schauspieler Robert Gwisdek („Käpt’n Peng und die Tentakel von Delphi“) als Sprecher der frühbarocken Texte


„Moderne ist zumutbar“, resümierte der Deutschlandfunk nach den Thüringer Bachwochen 2016 leicht provokant – und zitiert als bestes Beispiel einer neuen Musikergeneration, die auch für historisches Instrumentarium neue Werke und Aufführungsweisen fordert, die junge Cembalistin, Ensemblegründerin und -leiterin Elina Albach. Setzte sie mit ihrem 2015 gegründeten Ensemble CONTINUUM in Thüringen Bach in den Rahmen modernen Konzertdesigns, unterstreicht die Debüt-Aufnahme der Berlinerin, die von 2017 bis 2020 als #bebeethoven Fellow u.a. durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, nun nachdrücklich ihr Verständnis zeitgemäßer Programmgestaltung: Co-produziert durch den Bayerischen Rundfunk und in Eigenregie veröffentlicht, ist es ein anspruchsvolles Konzeptalbum, das Lyrik (gelesen von Robert Gwisdek) und Musik des 17. und 21. Jahrhunderts miteinander verbindet und in Format, Gestaltung, Inhalt und musikalischer Ausführung nicht weniger ist als ein Gesamtkunstwerk.

Eine neue Aufnahme müsse nur einspielen, wer auch etwas Neues zu sagen habe – meint Elina Albach, die sich in ihrem Schaffen so zielstrebig wie einfallsreich zeigt. Für die CD „Traumwerk“, die ihren Titel einem Zitat Albrecht Dürers entlehnt, beschäftigte sich die Cembalistin, die an der Schola Cantorum Basiliensis ausgebildet wurde, umfassend mit dem „Vanitas“-Gedanken des Barocks, der sich als roter Faden durch die Aufnahme zieht und Musik und Texte aus dem 17. sowie Neukompositionen für historisches Instrumentarium aus dem 21. Jahrhundert in mehreren Abteilungen in Beziehung setzt. Im aufwendig gestalteten Booklet wird das Programm als „Post-Genre“ bezeichnet: Über zeitliche und ästhetische Grenzen hinweg wird darin allein der Dramaturgie und Erzählung Rechnung getragen, die durch Sprache und Musik gleichrangig getragen wird. Musikalische Inhalte stellen dabei so diverse Barock-Komponisten wie der mysteriöse Geiger und Komponist Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, dessen eigenwillige Kompositionen ihn zu einem der spannendsten Musiker seiner Epoche machen, der Wiener Hoforganist Johann Jacob Froberger, der Zugang zu den Musikzentren ganz Europas hatte und dadurch große stilistische Vielfalt entwickelte, und der Lautenvirtuose Giovanni Girolamo Kapsberger, der mit seinem neuen Stil über mehrere Jahrzehnte das Musikleben der Stadt Rom prägte.

Kontextualisiert werden die ausgewählten Werke durch Lyrik des 17. Jahrhunderts. Als Zeit großer gesellschaftlicher und religiöser Umbrüche, geprägt durch den 30jährigen Krieg und seine Folgen, war das Bewusstsein für die Vergänglichkeit alles Irdischen Teil des Selbstverständnisses der Menschen der damaligen Zeit. In Form des „Vanitas“-Gedankens nahmen damalige Künstler dieses Verständnis in vielfacher Form auf – zu den bekanntesten Beispielen zählt Andreas Gryphius‘ Gedicht „Vanitas! Vanitatum Vanitas!“, das neben anderen Texten auf der Einspielung sprachlich aufgreift, was in der Musik bereits anklingt. Für „Traumwerk“ hat der Schauspieler und Musiker Robert Gwisdek, bekannt u.a. durch seine Auftritte als „Käpt’n Peng“ mit seiner Band „Die Tentakel von Delphi“, die Gedichte um Eitelkeit und Vergänglichkeit, Genuss und Lebensfreude eingesprochen und auch ein eigenes Werk, „Pförtner“, beigesteuert.

Die dritte Komponente des Konzeptalbums bilden schließlich Werke für Cembalo und Violine des 1950 geborenen schottischen Komponisten James Dillon, musikalischer „Quereinsteiger“ mit Prägung durch Rock- und Pipebands sowie Studien in Akustik, Linguistik und Philosophie. Seine Kompositionen, die er gleichfalls unter dem Titel „Traumwerk“ zusammenfasste, streben oft nach extremen Ausdruck und führen die Instrumente nicht selten an die Grenzen der Spielbarkeit. Auch Dillons Werke bereiten die barocke Lyrik entweder durch ihre spezifische Klangsprache vor oder unterstreichen deren Aussage im Nachgang – und zeigen durch das intelligente Konzept, das moderne Musik weitaus mehr ist als nur „zumutbar“. Mit dem Titel „Traumwerk“ referenzierte Dürer auch auf seine „Christlich-mythologischen Handzeichnungen“, die so rätselvoll wie verspielt und erfindungsreich erscheinen – auch in diesem Sinne hätte Elina Albach für ihre Aufnahme keinen treffenderen Titel wählen können.

CONTINUUM: Traumwerk

Ensemble CONTINUUM:
Elfa Rún Kristinsdóttir, Violine
Daniel Rosin, Violoncello
Andreas Arend, Chitarrone

Elina Albach, Cembalo & Orgel
Robert Gwisdek, Sprecher

VÖ: 13.04.2018

Tracklist:

01 G.A. Pandolfi Mealli – Sonata Prima. La Stella
02 Paul Fleming – Gedanken über der Zeit
03 James Dillon – Traumwerk 1

04 Georg Philipp Harsdörffer – Das Leben ist
05 G.A. Pandolfi Mealli – Sonata Seconda. La Cesta

06 Paul Fleming – An sich
07 James Dillon – Traumwerk 2
08 Christian Weise – An einen verliebten, aber doch sehr hoffärtigen Dichter
09 Johannes Hieronymus Kapsberger – Passacaglia
10 David Schirmer – An den Abend-Stern
11 James Dillon – Traumwerk 3
12 Martin Opitz – Jetzund kömpt die Nacht herbei
13 G.A. Pandolfi Mealli – Sonata Terza. La Melana

14 Andreas Gryphius – Vanitas! Vanitatum Vanitas! (1-8)
15 James Dillon – Traumwerk 4
16 Andreas Gryphius – Vanitas! Vanitatum Vanitas! (9-15)

17 G.A. Pandolfi Mealli – Sonata Quinta. La Clemente
18 Paul Fleming – Auf ihre Gesundheit
19 James Dillon – Traumwerk 5
20 Johann Michael Dilherr – Es vergehen alle Zeiten
21 Johann Jacob Froberger – Lamentation, faite sur la tres douloureuse mort de Sa Majeste Imperiale, Ferdinand le Troisiesme, et se joüe lentemenr avec discretion

22 Andreas Gryphius – Betrachtung der Zeit
23 James Dillon – Traumwerk 7
24 Robert Gwisdek – Pförtner
25 G.A. Pandolfi Mealli – Sonata Quarta. La Castella

Kommende Konzerttermine und Veranstaltungen mit Elina Albach:

28.02.2018: “Cyber Music Night” von #bebeethoven, Silent Green Kulturquartier, Berlin
05.03.2018: Symposium zur Zukunft der Alten Musik, Radialsystem, Berlin
06.-08.03.2018: Proben und Workshop zu „Traumwerk“, Radialsystem, Berlin
07.03.2018: Jahrespressekonferenz der Kulturstiftung des Bundes, Elisabethkirche, Berlin
21.03.2018: Köthener Bachfesttage, Konzert zum Bach-Geburtstag, Kirche St. Agnes, Köthen
13.04.2018: Heidelberger Frühling – „Neuland.Lied“, dichter_lieben (in Co-Produktion mit dem PODIUM Festival Esslingen), HebelHalle, Heidelberg
19.04.2018: Öffentliche Generalprobe zu „Traumwerk“ in Berlin
21.04.2018: „Lange Nacht der alten Musik“ Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
28.04.2018: „Traumwerk“ beim PODIUM Festival Esslingen, Esslingen, Kaisersaal
17.05.2018: Ludwigsburger Schlossfestspiele
10.06.2018: Internationale Orgelwoche Nürnberg
15.06.2018: Internationale Orgelwoche Nürnberg
21.07.2018: Melzower Sommerkonzerte
24.07.2018: MDR Musiksommer
01.09.2018: Bachfesttage Köthen
28.09.2018: „Traumwerk“ im Radialsystem