Bundesjugendorchester: Gipfelsturm zum halben Jahrhundert

Ausgelassen, aber stets hochkonzentriert, voller Begeisterung – vor allem aber außergewöhnlich begabt: Die 14-19-jährigen Mitglieder des Bundesjugendorchesters sind in ihren jungen Jahren nicht nur bereits exzellente Musiker, sondern die wohl sympathischsten Botschafter für klassische Musik im In- und Ausland. „Das Bundesjugendorchester hat in solch einem Maße zum Musikleben in Deutschland beigetragen, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll.“, sagt auch Sir Simon Rattle, seit 2018 Ehrendirigent des Bundesjugendorchesters: Von den 3.100 Mitgliedern der vergangenen fünf Jahrzehnte wurden über 80% Berufsmusiker, nicht wenige in den Reihen nationaler und internationaler Top-Orchester – allen voran die Berliner Philharmoniker, seit 2013 Patenorchester des Bundesjugend-orchesters. Zum 50. Geburtstag feiert der Klangkörper nun mit Ehemaligen und Fans ein mehr als würdiges Geburtstagsprogramm: mit einer Jubiläumspublikation, einem Ehemaligen-Treffen, vor allem aber mit drei Konzerten unter Dirigent Ingo Metzmacher und den symphonischen Schwergewichten von Edgar Varèses Amériques und Richard Strauss‘ Alpensinfonie. Happy Birthday, Bundesjugendorchester!

Das Gründungsjahr des Bundesjugendorchesters war ein Jahr voller Tatendrang: 1969 wird der spätere Friedensnobelpreisträger Willy Brandt Kanzler, das Internet erlebt seine Geburtsstunde und sogar der Mond scheint für Millionen Menschen zum Greifen nah. Ob Peter Koch und Volker Wangenheim, Gründer des Bundesjugendorchesters, sich von dieser Tatkraft dazu inspirieren ließen, ein nationales Jugendorchester ins Leben zu rufen, ist zwar nicht überliefert – fest aber steht: 50 Jahre später zählt das so energetische wie mitreißende Ensemble zu den wichtigsten Talentschmieden des Landes.

Für sein Geburtstagsprogramm vom 26.-29. April in Köln, Leipzig und Berlin stellen sich die exzellenten derzeit 150 Mitglieder des Bundesjugendorchesters, oftmals Preisträger von „Jugend musiziert“ und nach einmal jährlich stattfindenden Probespielen ausgewählt, ihrem eigenen hohen Anspruch nun mit zwei besonderen Herausforderungen: Edgar Varèses Amériques ist wohl eines der legendärsten, da komplexesten Werke des 20. Jahrhunderts, das noch dazu eine Besetzung von über 140 Musikern fordert; Richard Strauss‘ Alpensinfonie, 1915 und damit sechs Jahre vor Varèses Werk uraufgeführt und in ähnlichen Dimensionen orchestriert, zählt heute ob seiner reichen Klangfarben zu den Bravourstücken eines jeden Orchesters. Das Bundesjugendorchester, das Werke aller Epochen bis hin zu Uraufführungen auf seine Spielpläne setzt, wird erstmals von Ingo Metzmacher und damit einem Experten vor allem für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts geleitet – gemeinsam mit der herausragenden Qualität und Energie der jungen Musiker ist Feierstimmung im Konzertsaal damit garantiert.

Bereits für den 25. April hat das Team des Bundesjugendorchesters all seine 3.100 früheren Mitglieder zu einem Ehemaligen-Treffen nach Köln eingeladen: Mit Meet-and-greet, Karriere-Slam, Mitmach-Orchester, Erinnerungstalk und natürlich einer Geburtstagsparty läutet dieses Klassentreffen der Orchesterlandschaft die Jubiläumsfeierlichkeiten angemessen ein. Welchen Stellenwert das Bundesjugendorchester in ihrem Werdegang hatte, betonen ehemalige Mitglieder dabei immer wieder, wie erst Ende Januar die Bratschistin Tabea Zimmermann bei einem Konzert in Bonn: „Unter anderem an das Bundesjugendorchester habe ich wunderbarste Erinnerungen“, so die Musikerin, die auch dem Deutschen Musikrat als Träger des Bundesjugendorchester dankte. Für die Musiker, die in einem so prägenden Abschnitt ihrer Jugend das Bundesjugendorchester erleben, ist dieses oft nicht nur Karriere-Sprungbrett, sondern es gibt ihnen Inspiration und Kenntnisse für ihr gesamtes weiteres Leben – Eindrücke, von denen sie als authentische Musikvermittler in „SchoolSessions“ auch selbst Gleichaltrigen berichten. Dass sich die Förderung musikalischen Nachwuchses auf mehreren Ebenen lohnt, zeigt das Bundesjugendorchester auch damit seit 50 Jahren eindrücklich – mit Spaß, Anspruch und Exzellenz.

Dabei ist das Bundesjugendorchester seit seiner Gründung nicht nur Talentfinder und –förderer, sondern auch kultureller Botschafter: Bereits in den ersten Jahren seines Bestehens reiste es in Staaten der damaligen Sowjetunion, nach Israel und Südafrika und spielte im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt Verdis Requiem. Am Pult des Orchesters, das dreimal jährlich für Arbeitsphasen von drei Wochen zusammenkommt, standen dabei bereits Größen wie Kurt Masur, Gerd Albrecht und Gustavo Dudamel, und dass Kirill Petrenko nicht nur Anfang 2019, sondern bereits 2009 Konzerte mit dem Bundesjugendorchester leitete, ist weiterer Beleg für das gute Gespür des Orchester-Teams für die „next big things“ der Klassikwelt. Mit den Berliner Philharmonikern pflegt das Bundesjugendorchester ohnehin eine besondere Bindung: Als Patenorchester agieren Mitglieder der Philharmoniker als Dozenten für die jungen Musiker oder spielen in Patenschaftskonzerten mit ihnen Seite an Seite; Ex-Chefdirigent Sir Simon Rattle bleibt dem Bundesjugendorchester als Ehrendirigent verbunden, und Intendantin Andrea Zietzschmann ist Beirats-Mitglied – bessere Unterstützung kann man sich als junger Klassik-Musiker wahrscheinlich kaum wünschen. Auf die nächsten 50!

Die Veranstaltungen zum Geburtstag

25.04.   Tag der Ehemaligen (Gürzenich Köln)

26.04.   Konzert: Kölner Philharmonie
27.04.   Konzert: Gewandhaus Leipzig
29.04.   Konzert: Berliner Philharmonie

Programm:
Edgar Varèse: Amériques für Orchester
Richard Strauss: Alpensinfonie op. 64 TrV 233


Weitere Konzerte des Bundesjugendorchesters 2019
18.04.               Festspielhaus Baden-Baden (mit den Berliner Philharmonikern)
03.08.               Konzerthaus Berlin (Young Euro Classics)
06.08.               Serenadenhof Nürnberg
08.-17.08.        Südafrika-Tournee (Johannesburg, Soweto, Port Elisabeth, Kapstadt)
18.08.               Elbphilharmonie Hamburg
12.09.               World Conference Center Bonn (Beethovenfest)
13.09.               Universität der Künste Berlin (Konzert der Deutschen Welle)
14.09.               Eröffnung der neuen Tauberphilharmonie Weikersheim