David Afkham: Von Freiburg aus in die Welt

Wohl nur wenige Dirigenten Mitte 30 verfügen über einen ähnlich beeindruckenden Lebenslauf wie David Afkham: Er gewann zwei der prestigeträchtigsten Wettbewerbe für Dirigenten, kann Bernard Haitink seinen Mentor nennen, steht in seiner vierten Spielzeit als Chefdirigent dem Spanischen Nationalorchester vor und ist von Wien bis Philadelphia als Konzert- und Operndirigent gleichermaßen gefragt. Nach erfolgreichen Konzerten mit den Münchner Philharmonikern im Oktober gibt es nun eine weitere Gelegenheit, den international geprägten, aus Freiburg stammenden Dirigenten in Deutschland zu erleben: So leitet er ab dem 07. Dezember an der Oper Frankfurt den Weihnachtsklassiker „Hänsel und Gretel“ und gibt damit sein Opern-Debüt in Deutschland.

Als Kinder einer musikbegeisterten Medizinerfamilie kamen David Afkham und seine vier Geschwister früh in den Genuss einer musikalischen Ausbildung, Kammermusikabende mit Familie und Freunden inklusive – kaum verwunderlich also, dass drei der Geschwister die Musik zu ihrem Beruf machten. Für David, der im Alter von sechs Jahren seinen ersten Klavier- und Geigenunterricht erhielt, setzte sich zunächst das Klavier als Hauptinstrument durch – aber die Neugierde auf das Dirigieren erwies sich als größer, und schon der erste Versuch war „pure Leidenschaft, wie wenn man Feuer fängt“. Mit 15 begann er das Studium an der Musikhochschule Freiburg, das er in Weimar fortsetzte und abschloss.

Als wegweisend sollte sich ein Meisterkurs bei Bernard Haitink erweisen, bis heute Mentor David Afkhams: Er wurde der erste Stipendiat in dessen „Bernard Haitink Fund for Young Talent“ und assistierte Haitink u.a. beim Chicago Symphony Orchestra, dem Concertgebouworkest und dem London Symphony Orchestra. Dort war er zudem zwei Jahre lang Assistent, nachdem er 2008 die Donatella Flick Conducting Competition gewann. Zwei Jahre später schließlich war Afkham der erste Preisträger des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award. Eine besonders enge Beziehung hat er auch zum Gustav Mahler Jugendorchester, das er von 2009 bis 2012 als Assistant Conductor begleitete.

All diese Erfolge erreichten 2014 ihren bisherigen Höhepunkt, als David Afkham zum Chefdirigenten von Orquesta y Coro Nacionales de España ernannt wurde. Vier Spielzeiten später können er und das Orchester bereits auf einige gemeinsame Meilensteine zurückblicken: So erfolgt noch in dieser Saison die erste Einspielung auf dem orchestereigenen Label mit Werken von Beethoven und Schostakowitsch; die von Afkham eingeführten, einmal pro Saison stattfindenden konzertanten Opernaufführungen wie „Der fliegende Holländer“ oder „Elektra“ erhalten weitreichendes Kritikerlob, die programmatische Balance zwischen Klassik und Moderne, die auch Uraufführungen und Auftragswerke wie selbstverständlich in den Spielplan einbezieht, hat schon jetzt zu einer deutlichen Steigerung der Abonnement-Zahlen geführt, und künstlerisch fasst man beispielsweise mit einem Mahler-Zyklus die langfristige Entwicklung der Partnerschaft ins Auge. Der Ruf des Orchesters strahlt dabei auch international: Als Mitte Oktober Arnold Schönbergs monumentale „Gurre-Lieder“ in Madrid auf den Pulten lagen, standen auch Solisten wie Thomas Quasthoff, Juliane Banse, Simon O’Neill, Karen Cargill und Wilhelm Schwinghammer für die hervorragende Zusammenarbeit des Orchesters mit seinem Chef.

Nicht nur in Spanien ist David Afkham ein gern gesehener Dirigent: Auch international wird er immer wieder zu den bedeutenden Klangkörpern eingeladen. So erfolgten und erfolgen in dieser Spielzeit Debüts beim Philadelphia Orchestra, dem Montréal Symphony Orchestra und dem Chamber Orchestra of Europe sowie eine Wiedereinladung zum Chicago Symphony Orchestra; zu Gast war er außerdem bereits beim Boston Symphony Orchestra, dem London Symphony Orchestra, dem Philharmonia Orchestra London, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Concertgebouworkest, dem Rotterdam Philharmonic Orchestra, der Filarmonica della Scala, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, der Staatskapelle Berlin, dem DSO Berlin, den Bamberger Symphonikern, dem HR Sinfonieorchester, dem SWR Symphonieorchester, den Münchner Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, dem Orchestre National de France und dem Swedish Radio Symphony Orchestra. Einen großen Erfolg feierte er zudem in Glyndebourne, wo er 2014 mit „La Traviata“ sein Operndebüt gab und mit dieser Produktion später auch auf Tournee ging.

In den folgenden Monaten stehen noch einige weitere Höhepunkte auf dem Programm: Neben dem Engagement in Frankfurt wird David Afkham Anfang 2019 mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Sabine Meyer auf Tournee gehen; in Madrid steht mit der sechsten Symphonie des Komponisten die Weiterführung des Mahler-Zyklus‘ an. Auch Wagners „Fliegender Holländer“ wird den Dirigenten weiter begleiten – im April 2019 in Tokio sowie im Juni 2019 am Opernhaus Stuttgart.

 

Operntermine mit David Afkham im Dezember 2018:

7./9./13./22./30.12.2018
Opernhaus Frankfurt
Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel

 

Weitere Informationen:
oper-frankfurt.de
askonasholt.co.uk
http://ocne.mcu.es/