Der Traum von Einheit & Frieden: Matt Haimovitz ehrt Komponisten Isang Yun

„Ein Komponist darf die Welt, in der er lebt nicht mit Gleichgültigkeit betrachten.“ […] Wo Schmerz und Ungerechtigkeit herrschen, will ich mich mit meiner Musik einmischen.“

– Isang Yun

 

Die Geschichte des Komponisten Isang Yun erschüttert bis heute: 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst aus Berlin entführt, wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt und musste grausame Folter über sich ergehen lassen. Die Anklage lautete: Landesverrat. Denn Yun hatte Komponisten in Nordkorea besucht und trat für die Wiedervereinigung Koreas ein. Dank weltweiter Proteste – unter anderem setzten sich Strawinsky, Schostakowitsch, Ligeti und Herbert von Karajan für seine Freilassung ein – kam er nach zwei Jahren frei. In dem autobiographischen Cellokonzert verarbeitete Yun diese Erfahrungen. Der Cellist Matt Haimovitz führte das gefühlvolle und äußerst anspruchsvolle Werk zum 100. Geburtstag des Komponisten 2017 in Linz auf; nun erscheint es auf der neuen Ausgabe der PENTATONE Oxingale Serie.

VÖ: Oktober 2018

 

Als Gewinner des Kulturpreises der Stadt Seoul durfte Isang Yun 1956, wenige Jahre nach Ende des Koreakriegs, nach Europa reisen. Nach Stationen in Paris und Köln wählte Yun Berlin als neue Wahlheimat. Zwei Jahre nach seiner Freilassung wurde er deutscher Staatsbürger und kurz darauf Professor für Komposition an der Berliner Hochschule der Künste, wo er einst selbst studierte. Mit seiner Musik versuchte er, der Spaltung Koreas entgegenzuwirken, unter der er bis zu seinem Tod sehr litt. So sind Yuns Werke maßgeblich von seinem innigen Wunsch nach Einheit und Frieden geprägt.

 

Matt Haimovitz wusste bis vor wenigen Jahren nichts von der ergreifenden Geschichte Isang Yuns. Erst als der Dirigent Dennis Russel Davies ihn auf Yuns Cellokonzert hinwies, fing er an, sich mit dem Komponisten und dessen Schaffen auseinanderzusetzen: „Ich war sofort gefesselt von der rohen emotionalen Kraft dieser Musik, der extremen Virtuosität der Cello-Komposition, der Originalität der klanglichen Struktur, sowie der mutigen Unausweichlichkeit seiner Formen“, berichtet Haimovitz. In seinen Werken ließ Isang Yun europäische und asiatische Elemente verschmelzen – diese einzigartige Tonsprache stellte Haimovitz vor eine große Herausforderung: „Ich musste tief in jede Ecke meines musikalischen Werkzeugkastens greifen, um das Cello Concerto zu durchdringen. Mit einer mir ungewohnten Geduld brauchte ich Monate. Ich musste mich immer wieder erinnern, dass der Komponist selbst Cellist war, so dass es immer wieder einen Schlüssel gab, trotz aller Fremdheit der Sprache deren idiomatische Eigenschaften zu entschlüsseln.“

 

Mit der Komplexität von Yuns Partituren sahen sich auch die anderen Solisten, die auf der Aufnahme zu hören sind, konfrontiert. Neben dem Cellokonzert enthält die Einspielung u.a. ein Stück für Solo-Cello, ein Werk für Solo-Violine sowie das Violinkonzert Nr. 1, gespielt von Yumi Hwang Williams. „Isang Yuns Violinkonzert inspirierte mich dazu, mich mit meinen vernachlässigten koreanischen Wurzeln auseinanderzusetzen und dabei eine persönliche Verbindung zu Isang Yun zu finden“, erzählt die amerikanische Violinistin. „Ich bin fest davon überzeugt, dass seine fesselnde, ernsthafte und sehr persönliche Stimme es verdient hat, gehört zu werden.“

 

ISANG YUN: Dream for Korea

VÖ: Oktober 2018 (PENTATONE Oxingale Serie)

 

CD 1

1-4 Konzert für Violoncello und Orchester (1976)

Matt Haimovitz, Cello

Bruckner Orchester Linz

Dennis Russell Davies, Dirigent

5 Interludium A (1982)

Maki Namekawa, Klavier

6-9 Glissées für Solo-Cello (1970)

Matt Haimovitz, Cello

10 Fanfare & Memorial (1979)

Bruckner Orchester Linz

Dennis Russell Davies, Dirigent

feat. Christoph Bielefeld, Harfe

 

CD 2

1-3 Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 (1981)

Yumi Hwang-Williams, Violine

Bruckner Orchester Linz

Dennis Russell Davies, Dirigent

4-5 Kontraste. Zwei Stücke für Solo-Violine (1987)

Yumi Hwang-Williams, Violine

6 Gasa für Violine und Klavier (1963)

Yumi Hwang-Williams, Violine

Dennis Russell Davies, Klavier

 

Weitere Informationen unter:

www.pentatonemusic.com