„Ein Star in spe“ (Spiegel): Ana de la Vega auf Erfolgskurs

Fast hätte Ana de la Vega die Flöte an den Nagel gehängt: Als die in Hannover lebende Australierin nach über 15 Jahren als erfolgreiche Solistin und Ensembleleiterin ihr erstes Album aufnahm, war sie auf bestem Wege, einen vollkommen neuen Karriereweg einzuschlagen. Als Managerin, so hoffte sie, würde es mit der Familien- und Lebensplanung etwas einfacher gehen. Doch ihr herausragendes Talent machte ihr einen Strich durch die Rechnung: De la Vegas Aufnahme mit zwei Flötenkonzerten von Mozart sowie einem des tschechischen Komponisten Mysliveček, eingespielt mit dem English Chamber Orchestra, stießen auf solchen Anklang, dass sie schließlich doch zur Musik zurückkehrte – und heute als eine der außergewöhnlichsten Flötistinnen ihrer Generation gilt.

„[ein] in allen Lagen samtweiche[r], dunkel timbrierte[r], schlanke[r] und flexible[r] Ton“ (Fono Forum, Oktober 2018)

Frau der Stunde
„Wenn man das ebenso behände wie beglückende Spiel der jungen australischen Flötistin Ana de la Vega hört, begegnet dem Hörer ein vor Einfällen und Herausforderungen nur so strotzendes Konzert, das zu den schönsten Beispielen der Gattung […] gerechnet werden kann“, schrieb der Spiegel über Anas Mysliveček-Interpretation. Auch sonst ließen die Lorbeeren für de la Vegas Aufnahme nicht lang auf sich warten: Classic FM und BBC machten diese zur CD der Woche und im NDR hieß es, dass das Album „sicherlich auch […] Mozart beflügelt hätte“. So kam es, dass Ana eben doch zu ihrer Flöte und ihrem Lieblingskomponisten Mozart zurückkehrte – und diesem auf ihrem Album eine höchst spannende Wiederentdeckung an die Seite stellte.

Mysliveček – eine unverhoffte Entdeckung
Daran, dass Mozart auf ihrem Debüt vertreten sein sollte, bestand für Ana kein Zweifel. Weiteres passendes Material zu finden erwies sich jedoch als schwierig, vor allem angesichts der für Flötisten recht begrenzten Auswahl an Stücken. Davon ließ de la Vega sich jedoch nicht aufhalten: Wenn das Repertoire nicht ausreichte, musste sie es eben erweitern! In einer tschechischen Bibliothek stieß sie auf ein bislang kaum beachtetes Flötenkonzert des Böhmen Josef Mysliveček, einem Zeitgenossen Mozarts und dem einzigen Komponisten, dem der Österreicher mit Respekt und Freundschaft begegnete. Dass Myslivečeks Stück sich perfekt für ihre Aufnahme eignete, spürte de la Vega sofort: „In der Musik finden sich starke Verbindungen zwischen Mysliveček und Mozart“, so Ana. „Das Werk schäumt geradezu vor Lebensfreude und Ekstase, wie es bei Mozart oft der Fall ist.“ Und so spielte sie nicht nur ein erfolgreiches Debüt ein, sondern bereicherte die Welt der Flötenmusik um ein völlig zu Unrecht vergessenes musikalisches Juwel.

Wie alles begann
Dass sie immer ihren eigenen Weg gehen würde, bewies Ana de la Vega schon lange vor dieser so wichtigen Veröffentlichung. Als die Australierin beschloss, Flötistin zu werden, hatte sie noch nie eine Flöte gesehen. Gern blickt sie auf diesen Moment zurück: „Ich war sieben Jahre alt und bis zu jenem heißen Sommertag, an dem sich mein Leben veränderte, hatte ich meine Zeit auf Pferderücken und in Bächen schwimmend auf unserer Farm im Süden der Region New South Wales in Australien verbracht. Ich war gerade dabei mit meiner Schwester Fliegen im Garten zu fangen, als Jean Pierre Rampals Aufnahme des Mozart Konzerts für Flöte und Harfe KV299 aus den Lautsprechern meiner Eltern tönte.“ Die junge Ana war sofort verzaubert.

Von Australien nach Paris über London nach Hannover
Danach, so de la Vega, habe kein Zweifel mehr bestanden, wo die Reise hingehen sollte: nach Paris, in die Stadt Rampals, „…und zu Mozart“. Nach dem Flötenstudium in Sydney, das sie mit Auszeichnung bestand, war es schließlich so weit – Ana buchte das Flugticket in die französische Hauptstadt, ohne Rückflug oder eine Unterkunft. Ans Pariser Konservatorium wollte sie, so viel wusste sie – aber für die Vorbereitung hatte sie nur wenig Zeit. Ein ganz besonderer Kontakt verhalf ihr schließlich zum Erfolg: Raymond Guyot, der berühmte Pädagoge, dessen letzte Schülerin Ana werden sollte. Nach ihrer Zeit am Conservatoire begann Ana, sich international einen Namen zu machen. Auch die Kritiker zeigten sich mehr als angetan: „Herausragend“, urteilte Classical Source über ihr Spiel. In London performte sie unter anderem mit dem English Chamber Orchestra in der Cadogan Hall und gründete das inzwischen sehr renommierte Ensemble der London International Players. In der kommenden Saison wird Ana ihr erstklassiges Talent als Solistin nun unter anderem auch hierzulande zur Schau stellen.


Kommende Termine

10.11.18 DKO Berliner Philharmonie (Kammermusiksaal), Mozart- und Myslivecek-Konzerte

15.11.18 Laeiszhalle Hamburg (Kleiner Saal), Rezital mit Klavier

22.11.18 Allerheiligen-Hofkirche München, Rezital mit Milana Chernyavska, Mozart, Bach, Beethoven

12.12.18 Christophori Piano Salon Berlin, Rezital mit Milana Chernyavska

24.01.19 Palais Lichtenau Potsdam, Konzert in Erinnerung an den „Flötenkönig” Friedrich den Großen,

mit Stücken von Mozart, Vivaldi, Friedrich dem Großen und weiteren

19.02.19 Cadogan Hall Series London, English Chamber Orchestra, Mozart- und Mysliveček-Konzerte

06.03.19 Concertgebouw Amsterdam, Rotterdam Sinfonietta, Mozart-Konzert

 

Weitere Informationen:

www.pentatonemusic.com