Bachfest Leipzig: Bach bei Hofe

Unter dem Motto »Hof-Compositeur Bach« erklingen vom 14. bis 23. Juni vor allem Werke, die Johann Sebastian Bach in Weimar und Köthen oder für verschiedene Regenten komponierte. Das Bachfest Leipzig begrüßt jährlich Gäste aus über 40 Nationen und gehört damit zu den internationalsten Klassikfestivals der Welt. Privater Hauptförderer des über 150 Veranstaltungen umfassenden Bachfestes ist die Sparkasse Leipzig.

Johann Sebastian Bach war nicht nur der Leipziger Thomaskantor, sondern 15 Jahre seines Lebens hauptberuflich an Höfen tätig. Noch in seiner Leipziger Zeit sammelte er höfische Ehrentitel. Bachs Wirken an den Höfen und für die Regenten führte zu zahlreichen und besonders vielfältigen Kompositionen: prachtvolle Festmusiken, virtuose Instrumentalwerke in den unterschiedlichsten Stilen und Gattungen, außerdem innovative Kirchenmusik.

Das Bachfest Leipzig 2019 präsentiert an den historischen Leipziger Bach-Stätten Werke des »Hof-Compositeurs« Bach sowie besondere Kompositionen enger Weggefährten Bachs, die ebenfalls an Höfen wirkten. Ein ganzer Zyklus – und damit eine Fortführung des außerordentlich erfolgreichen Kantaten-Rings 2018 – ist den 16 am Weimarer Hof entstandenen geistlichen Bach-Kantaten gewidmet. Sie werden in fünf Konzerten am zweiten Bachfest-Wochenende unter anderem in der Thomas- und der Nikolaikirche aufgeführt. Traditionsgemäß spielen auch die Werke des Begründers der Leipziger Bachpflege und Gewandhauskapellmeisters Felix Mendelssohn Bartholdy eine zentrale Rolle im Festivalprogramm. Am Eröffnungswochenende locken kostenfreie Konzerte auf den Leipziger Markt.

Dr. Michael Maul, Intendant des Bachfestes Leipzig:
»Ich freue mich, dass wir zum 20-jährigen Jubiläum der jährlichen Leipziger Bachfeste ein außergewöhnlich vielseitiges Programm anbieten können, das konsequent am Festivalmotto ausgerichtet ist. Bachs Werke für die Regenten bestechen durch großartige Vielfalt. Das Spektrum reicht von funkelnd virtuosen Konzerten und Tafelmusiken über experimentelle Kantaten bis hin zum rätselhaften ›Musikalischen Opfer‹ und der vollendet unvollendeten ›Kunst der Fuge‹. Kurz: Ein Bachfest, das den Leipziger Thomaskantor mal von einer ganz anderen Seite präsentiert. Überraschungen garantiert!«

Zahlreiche der bekanntesten Bach-Interpreten konnten verpflichtet werden, darunter Ensembles wie die Akademie für Alte Musik Berlin, das Freiburger Barockorchester, Café Zimmermann, La Cetra Basel, Solomon’s Knot und Le Concert des Nations unter Leitung von Jordi Savall; außerdem Solistinnen und Solisten wie Nuria Rial, Sir András Schiff, Andreas Staier, Ton Koopman oder Vilde Frang. Der Cembalist Kristian Bezuidenhout gestaltet als Artist in Residence gleich vier Konzerte. Traditionsgemäß sind zudem der Thomanerchor und das Gewandhausorchester Leipzig im Bachfest zu erleben.

Die Bach-Medaille der Stadt Leipzig geht an den Bassbariton Klaus Mertens. Die Auszeichnung wird am 15. Juni im Rahmen eines Festkonzerts während des Festivals durch den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig Burkhard Jung überreicht.

Bach und Weimar
Der Hof der Herzöge von Sachsen-Weimar war für Johann Sebastian Bach der Dreh- und Angelpunkt seiner ersten Berufsjahre: Als 18-Jähriger wirkte er 1703 für einige Monate als Geiger in der Weimarer Hofkapelle, wurde fünf Jahre später zum Hoforganisten und Kammermusiker ernannt und 1714 schließlich zum Konzertmeister befördert. Bachs Weimarer Jahre waren künstlerisch überaus ertragreich und vielfältig: Hier entstanden die meisten seiner Orgelwerke, darunter die Choralvorspiele des »Orgelbüchleins« und viele freie, aus der Praxis der Improvisation hervorgegangene Stücke und zahlreiche geistliche Kantaten (Zyklus »Weimarer Kantaten«: 21. bis 23. Juni). Zugleich bemühte sich Bach um enge Kontakte zu den Musikern der benachbarten Höfe etwa in Eisenach, Gotha, Weißenfels und Dresden – dabei begründete er Lebensfreundschaften mit Größen wie Telemann oder Pisendel.

Bach und Köthen
Ende Dezember 1717 trat Bach die Stelle als Hofkapellmeister in Köthen an und fand vor Ort ein wohlorganisiertes und leistungsfähiges Orchester vor, dessen Kern die ehemaligen Spitzenkräfte der aufgelösten Preußischen Hofkapelle bildeten. Auch der junge Fürst Leopold war durch und durch musikbegeistert. Bach nutzte die idealen Rahmenbedingungen für herausragende Kompositionsprojekte: darunter Instrumentalmusik wie die »Brandenburgischen Konzerte« und die Violinkonzerte, Sonaten für Violine und Cembalo (No 71: 18. Juni) sowie diffizile Solowerke für Violine, Violoncello und Flöte. Seinen Fürsten beglückte er mit originellen Geburtstagskantaten (No 97: 20. Juni). Und er widmete sich ausführlich der Tastenmusik: Er komponierte »Englische« und »Französische« Suiten, etliche Bravourstücke für Cembalo (No 84: 19. Juni) und den ersten Teil seines »Wohltemperierten Claviers«.

Bach und Dresden
Bereits während seiner Weimarer Zeit knüpfte Bach musikalische Kontakte zum Konzertmeister der Sächsischen Hofkapelle Johann Georg Pisendel. Auf dessen Vermittlung reiste er 1717 erstmals selbst nach Dresden. Der Legende nach duellierte er sich mit dem französischen Virtuosen Louis Marchand auf dem Cembalo (No 50: 16. Juni). Auch später, als Leipziger Thomaskantor, hielt Bach sich vielfach in Dresden auf. Er gab Konzerte auf den Silbermann-Orgeln in der Frauen- und der Sophienkirche, wohnte Vorstellungen im kurfürstlichen Opernhaus bei und besuchte seine Dresdner Musikerkollegen. Wenn Mitglieder des sächsischen Herrscherhauses nach Leipzig kamen, führte Bach festliche Huldigungskantaten auf. Nach der Thronbesteigung des Kurfürsten Friedrich August II. im Jahr 1732 übersandte Bach dem neuen Regenten das Kyrie und Gloria der späteren »h-Moll-Messe« (No 158: 23. Juni): Stücke, die ganz auf die Qualitäten der Dresdner Hofkapelle zugeschnitten waren. Als Dank erhielt er – drei Jahre und einige Huldigungskantaten später – den Titel eines »Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Hofcompositeurs«.

Bach und Berlin
Am 11. Mai 1747 wurde der 62-jährige Thomaskantor im Potsdamer Stadtschloss vom Preußischen König Friedrich II. empfangen. Bach musizierte vor dem Hof auf dem Cembalo und dem modernen Hammerflügel. Schließlich griff Friedrich selbst zur Flöte, spielte ein Thema und forderte Bach auf, darüber eine Fuge zu improvisieren. Bach kam dieser Aufgabe mit großer Kunstfertigkeit nach und fertigte nach seiner Rückkehr einen Zyklus mit verschiedenen Solo- und Ensemblestücken an, die allesamt auf dem »Königlichen Thema« basierten. Unter dem Titel »Musikalisches Opfer« (No 4: 14. Juni) widmete er die Veröffentlichung noch im selben Jahr dem preußischen König, an dessen Hof er seinen Sohn Carl Philipp Emanuel als Cembalist gut aufgehoben wusste. Bereits als Köthener Kapellmeister reiste Bach mehrfach nach Berlin und widmete 1721 sechs anspruchsvolle Konzertkompositionen dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg, einem Onkel des »Soldatenkönigs«, der mit seiner kleinen Hofkapelle im Stadtschloss residierte. Heute werden diese Werke deshalb als »Brandenburgische Konzerte« bezeichnet. Auch die berührende Hochzeitskantate »O holder Tag, erwünschte Zeit« (No 47: 16. Juni) erklang in Berlin: anlässlich der Hochzeit seines Freundes, des Hofrates und Arztes Georg Ernst Stahl.

Bach und Weißenfels
Im Februar 1713 erhielt der Weimarer Hoforganist Johann Sebastian Bach den ehrenvollen Auftrag, ins benachbarte Weißenfels zu reisen und dort eine Festkantate zum 31. Geburtstag des dortigen Herzogs zu komponieren. Christian von Sachsen-Weißenfels war ein großer Anhänger der Jagd, und deshalb schuf Bach mit seinem Librettisten Salomon Franck eine »Jagdkantate«. Die Aufführung wurde ein großer Erfolg und erwies sich als Grundstein für Bachs dauerhafte Beziehungen zum Weißenfelser Herzog. Nachdem Bach zwei weitere Werke dem Herzog widmete – 1725 die »Schäferkantate« und 1729 die Huldigungsmusik »O angenehme Melodei« – wurde Bach noch 1729 von Christian zum »Fürstlich sächsisch-weißenfelsischen Hofkapellmeister von Haus aus« ernannt. Sowohl die »Jagdkantate« als auch die »Schäferkantate« erklangen in Weißenfels als Tafelmusiken, und so werden sie auch im Bachfest auf die Bühne gebracht (No 96/116: 20./21. Juni).

Bach & Friends
An all seinen Lebensstationen bemühte sich Bach um Kontakt zu anderen Kantoren, Kapellmeistern, Sängern und Instrumentalisten. Seit der Weimarer Zeit war Bach eng mit Georg Philipp Telemann befreundet, der in diesen Jahren nicht weit entfernt am Eisenacher Hof beschäftigt war. Später kamen Bekanntschaften mit Musikern des Dresdner, Gothaer, Merseburger und Berliner Hofes hinzu, darunter Johann Georg Pisendel, Silvius Leopold Weiß, Johann Adolph Hasse, Johann Gottlieb Graun und Gottfried Heinrich Stölzel, dessen Passion »Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld« einst Johann Sebastian Bachs Notenbibliothek bereicherte (erste Leipziger Wiederaufführung, No 22: 15. Juni).

Mendelssohn Im Bachfest
Traditionsgemäß spielen die Werke des Begründers der Leipziger Bachpflege Felix Mendelssohn Bartholdy eine zentrale Rolle im Bachfest-Programm. Herbert Blomstedt interpretiert mit dem Gewandhausorchester die »Schottische Sinfonie« (No 24/48: 15./16. Juni). Das Fragment des »Christus-Oratoriums« gelangt in der Interpretation der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zur Aufführung (No 75: 18. Juni). Darüber hinaus wird am Originalschauplatz ein Orgelprogramm erklingen, welches Mendelssohn selbst zugunsten des ersten Bach-Denkmals 1840 in der Thomaskirche spielte (No 140, 22. Juni). Zahlreiche Kammermusik-Konzerte des Mendelssohn-Hauses Leipzig ergänzen diesen Schwerpunkt.

Bach-Medaille 2019
Im Rahmen eines Festkonzerts, das Klaus Mertens, Ton Koopman und Tini Mathot aus Anlass ihres gemeinsamen 40-jährigen Bühnenjubiläums im Bachfest 2019 geben, wird der Bassbariton Mertens mit der Bach-Medaille der Stadt Leipzig geehrt. Die Jury, bestehend aus dem Präsidenten des Bach-Archivs, Sir John Eliot Gardiner, und dessen Direktor, Prof. Dr. Peter Wollny, dem Thomaskantor Gotthold Schwarz und dem Rektor der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy«, Prof. Martin Kürschner, begründet die Würdigung wie folgt: »… Der einzigartige, sprechende Gestus seines klaren Bass-Baritons macht Mertens zu einem der wichtigsten musikalischen Botschafter Bachs in unserer Zeit. …«

Die Bach-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt Leipzig auf dem Gebiet der Musik vergibt, 2019 wird diese zum 17. Mal überreicht. Bisher wurden unter anderen Sir John Eliot Gardiner (2005), Ton Koopman (2006), Nikolaus Harnoncourt (2007), Herbert Blomstedt (2011), Masaaki Suzuki (2012) und Robert Levin (2018) ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgt durch Oberbürgermeister der Stadt Leipzig Burkhard Jung am 15. Juni 2019 im Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli (No 13).

Künstler des Bachfestes
Im Bachfest Leipzig 2019 gastieren unter anderem Ensembles wie Akademie für Alte Musik Berlin, Café Zimmermann, Das Kleine Konzert unter Leitung von Hermann Max, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, das Freiburger Barockorchester unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz, die Lautten Compagney unter Leitung von Wolfgang Katschner, Le Concert des Nations unter Leitung von Jordi Savall, Solomon’s Knot unter Leitung von Jonathan Sells sowie die Solistinnen und Solisten Isabelle Faust, Pierre Hantaï, Rudolf Lutz, Nuria Rial, Sir András Schiff, Andreas Staier und Ton Koopman.

Erstmals im Bachfest Leipzig sind die Barockorchester La Cetra und La Folia, das Ricerar Consort, das Ensemble Zefiro, die Dirigenten Rinaldo Alessandrini und Omer Meir Welber und die Violinistin Vilde Frang sowie die Cembalisten Alexander Grychtolik und Kristian Bezuidenhout (Artist in Residence) zu erleben.

Der Thomanerchor Leipzig unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz eröffnet gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester das Bachfest Leipzig 2019 am 14. Juni in der Thomaskirche (No 1). Das Gewandhausorchester Leipzig musiziert im Grossen Concert unter Leitung von Herbert Blomstedt (No 24/48: 15./16. Juni) sowie in einer Ballett-Produktion der Oper Leipzig in der Choreografie von Mario Schröder (»Magnificat«, No 2: 14./16. Juni).

Das Abschlusskonzert mit der Messe in h-Moll (No 158: 23. Juni) gestalten der Tölzer Knabenchor und das Pariser Ensemble Opera Fuoco unter Leitung von David Stern.

Artist in Residence: Kristian Bezuidenhout
Der 1979 in Südafrika geborene Cembalist arbeitet mit führenden Ensembles in aller Welt zusammen. Seit 2018 ist er einer der beiden künstlerischen Leiter des Freiburger Barockorchesters. Unter den zahlreichen CD-Produktionen von Kristian Bezuidenhout ragt seine preisgekrönte Einspielung sämtlicher Mozart-Klavierwerke auf neun CDs (2010–2016) hervor. Aber auch die 2017 gemeinsam mit Isabelle Faust entstandene Aufnahme von Bachs Sonaten für Violine und Cembalo hat Referenzcharakter. Kristian Bezuidenhout ist erstmals im Bachfest zu Gast und in vier Konzerten zu erleben (No 47: 16. Juni, No 71: 18. Juni, No 98: 20. Juni & No 119: 21. Juni).

BachStage und Mitmachformate
Zu kostenfreien Open-Air-Konzerten auf dem Leipziger Markt im Rahmen von BachStage werden am Eröffnungswochenende das Michael Wollny Trio (No 5: 14. Juni), das Uri Caine Septet (No 25: 15. Juni) sowie Christian von Richthofen mit seiner Performance »Autoauto – Bach driving crazy« (No 49: 16. Juni) erwartet. Zudem findet ebenda am 16. Juni ein Open- Air-Gottesdienst statt (No 27). An Kinder, und ihre Familien sowie Schüler richten sich darüber hinaus zahlreiche Konzerte und Mitmachveranstaltungen. In Kooperation mit dem Soziokulturellen Zentrum die naTo e.V. werden auch in dieser Saison wieder die BachSpiele in den Promenaden Hauptbahnhof veranstaltet.

Forschung und Vermittlung
Wissenschaftler des Bach-Archivs Leipzig und renommierte Gastreferenten begleiten das Festival mit Vorträgen, Konzerteinführungen und einer Bach-Sprechstunde, im Rahmen derer Fragen des Publikums rund um Johann Sebastian Bach und seine Familie beantwortet werden (No 105: 21. Juni). Das Bach-Museum Leipzig widmet dem Thema des Bachfestes eine Sonderausstellung. Die Schau »Hof-Compositeur Bach« präsentiert kostbare Musikalien und Schriftzeugnisse, Musikinstrumente, fürstliche Tafelgegenstände und bildliche Darstellungen.

Schirmherr und Förderer
Das Bachfest Leipzig wird gefördert von der Stadt Leipzig und dem Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, privater Hauptförderer ist die Sparkasse Leipzig. Das Festival 2019 steht unter der Schirmherrschaft des Botschafters von Rumänien, S. E. Emil Hurezeanu.

Vorverkauf
Tickets für das Bachfest Leipzig 2019 sind telefonisch unter 0 18 06-56 20 30 (20 Cent/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 60 Cent/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz) sowie außerhalb Deutschlands unter Tel. +49-38 71-2 11 41 91 erhältlich. Bestellungen im Internet unter www.bachfestleipzig.de sind ebenfalls möglich. Zudem bietet der Veranstalter den Service eines print@home-Tickets an, das bei Online-Bestellungen bequem zu Hause ausgedruckt werden kann. Eine kostenlose Konzertübersicht kann unter der angegebenen Telefonnummer sowie auf den Internetseiten des Bachfestes angefordert werden.

Weitere Informationen unter:
www.bachfestleipzig.de