Christoph Sietzen: Sound of Silence

„ (…) er entlockte der Marimba Klänge von enormer Feinheit und Sensibilität“
The New York Times

„Dessen ebenso präzise wie kraftvolle Explosionen beim Marimba-Spiel bringen die Ideen der Komponisten auf den Punkt: Dichte Struktur und sinnliches Klangschwelgen überwältigen. Von Zauber darf man sprechen (…) Christoph Sietzens Behandlung des hölzernen 5 ½ Oktaven umfassenden Schlaginstrumentes aus Guatemala setzt noch einmal eigene Maßstäbe.“
Spiegel Online

Ein Album aufzunehmen, das die „Stille“ als programmatische Leitlinie ausruft und sich nicht den offensichtlichen Virtuosenstücken, sondern den leisen, schwebenden, fragilen Tönen widmet, ist keine Selbstverständlichkeit für einen jungen Musiker – vor allem dann nicht, wenn er Multipercussionist ist. Heißt der junge Musiker allerdings Christoph Sietzen, kann man sich darauf verlassen, dass das Resultat dennoch so virtuos wie faszinierend ausfällt, spricht dafür doch bereits seine bemerkenswerte Laufbahn: Das Debüt bei den Salzburger Festspielen im Alter von 12, die Auszeichnungen beim ARD-Musikwettbewerb, als „Rising Star“ der European Concert Hall Organisation sowie mit dem International Classical Music Award als „Young Artist of the Year“ 2018, bislang neun veröffentlichte und hochgelobte Aufnahmen als Solo-Musiker und mit seinem „Wave Quartet“ und nicht zuletzt die diesjährige Auszeichnung mit dem OPUS KLASSIK als „Nachwuchskünstler des Jahres“ weisen ihn mit seinen 27 Jahren schon lange als Meister seines Fachs aus. Seine Qualitäten als kluger Programmatiker und sensibler Arrangeur unterstreicht Christoph Sietzen nun auch auf seiner am 11. Oktober bei SONY Classical erscheinenden Aufnahme „Silence“ – einer sehr persönlichen Reflektion über die Stille.

Fast vorsichtig tasten die Töne zu Beginn von Philipp Glass‘ „Glassworks“, das im Arrangement für Marimba noch ein wenig sanfter, zarter wirkt als die ursprüngliche Fassung für Klavier. „Minimal Music hat für mich in ihrer besonderen Kraft der kleinen Veränderungen viel mit Stille zu tun.“, so Christoph Sietzen über das Eingangsstück seiner neuen Aufnahme, für die er sich mit der Bedeutung von Stille in einer Zeit beschäftigt, die beständig lauter zu werden scheint. Dabei ist Stille die essentielle Basis der Musik – wie nicht nur John Cages legendäres „4‘33“ immer wieder eindrucksvoll in Erinnerung ruft. „Da die Stille so ein wichtiger Bestandteil der Musik ist, war die Auswahl des Repertoires leicht und schwer zugleich“, so Christoph Sietzen weiter, dessen Wahl daher vor allem auf Werke fiel, in denen er selbst Stille und Momente der Ruhe finden kann.

Neben Philip Glass finden sich so Kompositionen von Astor Piazzolla, Isaac Albéniz, Francisco Tárrega, Arvo Pärt und Johann Sebastian Bach, die fast ausschließlich von Christoph Sietzen selbst für Marimba arrangiert wurden. Für „Spiegel im Spiegel“, 1978 von Arvo Pärt geschrieben, entschied sich Sietzen für die Fassung für Klavier und Cello, ersetzte den Klavierpart durch Marimba, Gong und Crotales und fragte Clemens Hagen, Mitglied des Hagen-Quartetts und des Lucerne Festival Orchestra, ob er Sietzen und seine Marimba begleiten würde. Clemens Hagen, mit dessen Konzerten Christoph Sietzen in Salzburg aufwuchs und dessen Zugang zur Musik ihn seit jeher inspirierte, sagte zu – und Arvo Pärt persönlich, dessen Kompositionen Christoph seit einigen Jahren begleiten und den er nach einem Konzert kennenlernte, genehmigte das besondere Arrangement seines Werks, für das Sietzen das Original ausnahmsweise leicht adaptierte.

Auch für das Largo aus Johann Sebastian Bachs Cembalokonzert in f-Moll, das als Live-Mitschnitt die Aufnahme beschließt, hat Christoph Sietzen renommierte musikalische Verbündete: Bogdan Bacanu, Mentor Christoph Sietzens und Gründer des „Wave Quartet“, steuert sein brillantes Marimba-Spiel bei, und die weltweit renommierte Academy of Ancient Music begleitet die beiden Instrumentalisten und ihre modernen Instrumente so klug wie leidenschaftlich.

Ebenfalls auf der Aufnahme findet sich die Lautensuite in e-Moll Bachs, deren einzelne Sätze nicht hintereinander, sondern kontrastierend zu Kompositionen von Albéniz, Tárrega und Pärt angeordnet sind – Stille lässt sich so in ganz verschiedenen Ausprägungen erfahren.

Die Veröffentlichung von „Silence“ läutet für Christoph Sietzen ein ereignisreiches letztes Quartal 2019 ein. War ein besonderer Höhepunkt des Sommers noch sein Konzert mit Tabea Zimmermann bei den Salzburger Festspielen, wird ihm nun im Oktober nur zwei Tage nach Erscheinen der Aufnahme offiziell der OPUS KLASSIK als „Nachwuchskünstler des Jahres“ verliehen – als Nachfolgepreis des ECHO Klassik ist Sietzen damit erst der zweite Schlagwerker, der nach Peter Sadlo (1998) diese Auszeichnung erhält. Ende November spielt Christoph mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg die Weltpremiere von Georg Friedrich Haas‘ Konzert für Klangwerk und Orchester, ein gemeinsames Auftragswerk der Philharmonie Luxembourg, des Wiener Konzerthauses, des Gürzenich-Orchester Kölns sowie der Casa da Mùsica Porto, dessen österreichische Erstaufführung er Anfang 2020 mit dem Rundfunk-Symphonieorchester Wien unter Alondra de la Parra ebenfalls bestreiten wird – ruhig wird es um Christoph Sietzen so schnell ganz sicher nicht.

 

Christoph Sietzen

„Silence

VÖ am 11.10.19 bei Sony Classical

 

Christoph Sietzen, Percussion

Clemens Hagen, Violoncello

Bogdan Bacanu, Marimba

Academy of Ancient Music

Philip Glass – Opening von Glassworks

Astor Piazzolla – Verano Portenoaus Las Cuatro Estaciones Porteñas

Johann Sebastian BachLauten-Suite in E-Moll, BWV 996 (Sarabande)

Isaac Albéniz – Asturias (Leyenda)
Johann Sebastian Bach – Lauten-Suite in E-Moll, BWV 996 (Bourrée)
Francisco TárregaRecuerdos de la Alhambra

Johann Sebastian Bach – Lauten-Suite in E-Moll, BWV 996 (Gigue)

 Arvo Pärt – Spiegel im Spiegel(arrangiert für Marimba & Violoncello, mitClemens Hagen)              

 Astor Piazzolla – Cinco Piezas para Guitarra(Romántico)

Johann Sebastian BachCembalo-Konzert in F-Moll, BWV 1056 (II. Largo)
(arrangiert für Marimbas und Orchester, mit Bogdan Bacanu und der Academy of Ancient Music) 

 

Kommende Konzerttermine in Deutschland, Österreich und Luxemburg:

15.10.19: Stadttheater Fulda (mit The Wave Quartet)

30.10.19.: Schloss Steyregg (mit The Wave Quartet)

13.11.19: Muskverein Wien (mit Bogdan Bacanu)

22.11.19: Stiftung Mozarteum Salzburg (mit The Wave Quartet, Maximilian Hornung, Laura Tatulescu, Hannfried Lucke)

29.11.19: Philharmonie Luxembourg (UA Konzert für Klangwerk und Orchester von Georg Friedrich Haas)

27.01.20: Konzerthaus Wien (Österr. EA Konzert für Klangwerk und Orchester von Georg Friedrich Haas)

31.01.20: Konzerthaus Wien

15.04.20: Konzerthaus Wien

21.04.20: Nikolaisaal Potsdam

12.05.20: Konzerthaus Wien

14.05.20: Musikverein Graz

07.06.20: Konzerttheater Coesfeld

14.06.20: Festspielhaus baden-Baden

20.06.20: Brucknerhaus Linz

 

Foto © Stefan Sietzen