Enrique Mazzola: Wegbereiter für Unerhörtes

– Als Experte für Repertoire des Belcanto wird Enrique Mazzola international gefeiert
– Ab Saison 2018/19 neuer Erster Ständiger Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin
– Mit seinem Orchestre national d’île de France präsentiert er nun eine Weltersteinspielung von Milhaud

 

“A gorgeous Milhaud discovery (…) It’s an absolute charmer!” (The Gramophone Magazine, Juni 2018)

 

Experte und Forscher, Enthusiast und Wegbereiter: Kaum ein Dirigent beschäftigt sich im Orchestergraben wie auch in den Archiven so intensiv mit dem Repertoire des Belcanto wie Enrique Mazzola. Nicht umsonst wird der in Spanien geborene und in Italien ausgebildete Dirigent mit französischem Pass an den Opernhäusern von New York bis Berlin gefeiert, zuletzt für seine „Maria Stuarda“ am Opernhaus Zürich und „Le Prophète“ an der Deutschen Oper Berlin, die ihn jüngst zum Ersten Ständigen Gastdirigenten ab der Spielzeit 2018/19 ernannte. Doch auch mit seinem Orchestre national d’île de France, dem er seit 2012 als Chefdirigent vorsteht, begibt sich Mazzola mit Leidenschaft auf Entdeckungsreise, um unbekannte Repertoire-Schätze zu heben oder Langbekanntem neue Hör-Erlebnisse abzugewinnen. Auch seine neueste Aufnahme mit dem Orchester überrascht durch eine Weltersteinspielung, die noch dazu ein lange Zeit unterschätztes Instrument in den Fokus rückt: So steht „La Bien-Aimée“ für Orchester und Pianola von Darius Milhaud neben Igor Strawinskys Feuervogel-Suite in der Fassung von 1945.

Dass Wiederentdeckungen eine Spezialität Enrique Mazzolas sind, hat der Dirigent nicht zuletzt mit seinen Beiträgen zum Meyerbeer-Zyklus der Deutschen Oper Berlin bewiesen, für den er drei Produktionen so intensiv wie engagiert leitete und seinen Ruf als herausragender Belcanto-Dirigent  eindrucksvoll untermauerte. Mit ebenso viel Verve leitet Mazzola auch sein Pariser Orchester, das Orchestre national d‘île de France – und stieß fast zufällig auf ein lange vergessenes Werk, das nun als Weltersteinspielung auf der neuesten Aufnahme des Ensembles mit Mazzola zu hören ist.

So traf Enrique Mazzola vor einigen Jahren den Briten Rex Lawson, der sich dem Pianola verschrieben hat: Ein Vorschaltkasten, der vor jedes beliebige Klavier montiert werden kann und dieses durch eine gestanzte Papierrolle, die der Spieler über Fußpedale bedient und die eine Mechanik auslöst, spielt – allerdings nicht wie bei einem Pianisten beschränkt auf zehn Finger, sondern mit der Möglichkeit, 20 bis 30 Töne gleichzeitig und somit ein ganzes Orchester abzubilden. Tempo und Lautstärke sind dabei variabel – Komponisten wie Strawinsky, Grieg, Debussy, Ravel oder Gershwin waren von den Möglichkeiten des Pianola fasziniert und komponierten für das Instrument. So auch Darius Milhaud: „La Bien-Aimée“, Ballettmusik für Orchester und Pianola, entstand 1928 und basiert auf musikalischen Themen von Schubert und Liszt. Seit seiner Uraufführung wurde das Werk nicht mehr gespielt und geriet in Vergessenheit – Rex Lawson schließlich erzählte Enrique Mazzola von der Originalpartitur, die er in den USA gefunden hatte und mit deren Hilfe er das Stück wiederbeleben wollte. Mit dem Orchestermaterial, das bei der Universal Edition lag, sowie den rekonstruierten Pianola-Rollen, erwacht das Werk nun 90 Jahre nach seiner Uraufführung wieder zum Leben.

18 Jahre vor „La Bien-Aimée“ entstand Igor Strawinskys „Feuervogel“, der ebenfalls auf der Einspielung zu finden ist: Für Enrique Mazzola markieren die beiden Stücke Anfang und Ende der großen künstlerischen Zeit, die maßgeblich durch die Pariser „Ballets Russes“ geprägt war und deren Atmosphäre beide Werke verbindet. Für die Aufnahme entschied sich Enrique Mazzola für die Ballettsuite des „Feuervogels“, die Strawinsky 1945 schuf und die bereits in seiner Kindheit Enrique Mazzolas Fantasie beflügelt hat. Ein ungewöhnliches Programm – das Enrique Mazzola einmal mehr als echten Experten ausweist.

Darius Milhaud: La Bien-Aimée
Igor Strawinsky : Der Feuervogel

Orchestre national d’Île-de-France
Enrique Mazzola, Dirigent
Rex Lawson, Pianola

VÖ im Mai 2018 bei NoMadMusic