François-Xavier Roth: Berlioz, Berlioz!

François-Xavier Roth und Les Siècles würdigen Hector Berlioz mit einer Aufführung von „Harold en Italie“ beim Musikfest Berlin und einer Aufnahme der „Symphonie Fantastique“ bei harmonia mundi.

Mit dem Berlioz-Jahr wird dieses Jahr der 150. Todestag des französischen Komponisten begangen. Damit soll der lange Zeit vernachlässigte Revolutionär gebührend gewürdigt und seiner expressiven und emotionalen Musik, für die er die Klangfarben des Orchesters ausreizte wie kein Komponist vor ihm, eine angemessene Bühne bereitet werden.

Wer also besser, ihn zu ehren, als François-Xavier Roth und Les Siècles, die dieses Jahr bereits mit einer Berlioz-Aufnahme für Aufmerksamkeit sorgten und im August gemeinsam mit dem ebenfalls von Roth gegründeten „Jeune Orchestre Européen Hector Berlioz“ beim Festival Berlioz im Geburtsort des Komponisten spielten? Auch der Rest des Jahres steht ganz im Zeichen Berlioz‘: Am 15. September wird das Orchester, das sich auf Originalklang mit historischen Instrumenten spezialisiert hat, beim Musikfest Berlin mit Berlioz‘ „Harold en Italie“ zu Gast sein, bevor am 25. Oktober die „Symphonie Fantastique“, Testament seiner Leidenschaft für seine spätere Frau Harriet Smithson, bei harmonia mundi als CD und DVD veröffentlicht wird.

Berlioz en Italie

Die Symphonie „Harold en Italie“ schrieb Berlioz 1834 als Auftragswerk für Niccolò Paganini. Die Inspiration zog er aus seiner Italienreise, von der er zwei Jahre zuvor zurückgekehrt war: „Ich wollte die Bratsche in den Mittelpunkt der poetischen Erinnerungen stellen, welche ich von meinen Streifzügen in den Abruzzen behalten hatte […]“.

Tabea Zimmermann übernimmt am 15.9., wie schon auf der dieses Jahr aufgenommenen CD, den Part der Solo-Bratsche. Natürlich kommen auch bei diesem Konzert ausschließlich historische Instrumente zum Einsatz. „Es ist wirklich spannend, die authentischen Klangfarben der Instrumente aus Berlioz‘ Zeit zu hören, denn dadurch erfasst man sehr rasch, welcher Art die damals neuen Klangkombinationen waren“, erklärt Roth. „Es wäre viel schwieriger, diese mit jüngeren oder modernen Instrumenten zu erzeugen, während man mit den Instrumenten, für die Berlioz schrieb, sofort versteht, was auf dem Spiel stand und wie er die neuen Klangfarben herzustellen beabsichtigte.“ Nachdem die CD bereits von der Kritik hoch gelobt wurde (Fono Forum beispielsweise pries „die unglaublich farbenreiche Interpretation“), kann dem Konzert nur voller Erwartung entgegengeblickt werden.

Das Programm des Musikfest-Debuts von Les Siècles wird durch Werke von Jean-Philippe Rameau und Helmut Lachenmann ergänzt.

Das Drama in der Symphonie

Weiter geht es mit einer Aufnahme der „Symphonie Fantastique“, die bereits am 08. September in der Kölner Philharmonie zu hören sein wird. Im September 1827 hatte Berlioz im Pariser Odéon-Theater die irische Schauspielerin Harriet Smithson die Rolle der Ophélia spielen sehen. Diese einseitige Begegnung war der Beginn einer Geschichte, die der Komponist selbst als das „größte Drama meines Lebens“ bezeichnete. Die Symphonie, die er über seinen Gefühlszustand der folgenden Jahre schrieb, gliederte er dementsprechend in fünf Sätze analog zu den fünf Akten des klassischen Dramas. Die idée fixe, das Motiv der Geliebten, wird in den Sätzen, die einzelnen Szenen entsprechen, verarbeitet.

Obgleich er mit Ideen wie dem Leitmotiv oder dem musikalischen Drama neue musikalische Maßstäbe setzte – und mit der Symphonie Fantastique Harriet Smithson so sehr beeindruckte, dass sie kaum ein Jahr, nachdem sie das Werk zum ersten Mal gehört hatte, seine Frau wurde – konnte er doch nicht mit dem Erfolg von Zeitgenossen wie Charles Gounoud mithalten. Für François-Xavier Roth und Les Siècles hatte der Komponist trotzdem immer eine besondere Bedeutung: „Berlioz gehört quasi seit der Gründung des Orchesters zu dessen Geschichte“, erzählt Roth. „Seine Musik habe ich über meine Vorgänger und während meiner noch kurzen Laufbahn kennengelernt. […] Man kann sagen, dass Berlioz damals, d.h. in den ersten 2000er Jahren, auf ganz entscheidende, geradezu blitzartige Weise in mein Leben als Dirigent getreten ist und dass er mich seither nie mehr verlassen hat.“

Kommende Termine

08.09.2918: „Symphonie Fantastique“ beim Festkonzert in der Kölner Philharmonie

15.09.2019: „Harold en Italie“ beim Musikfest Berlin

11.10.2019: CD „Symphonie Fantastique“ bei harmonia mundi