François-Xavier Roth: Das Drama in der Symphonie

Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2019

François-Xavier Roth und Les Siècles würdigen Hector Berlioz mit einer weiteren Aufnahme – der „Symphonie Fantastique“ bei harmonia mundi.

Mit dem Berlioz-Jahr wird dieses Jahr der 150. Todestag des französischen Komponisten begangen. Damit soll der lange Zeit vernachlässigte Revolutionär gebührend gewürdigt und seiner expressiven und emotionalen Musik, für die er die Klangfarben des Orchesters ausreizte wie kein Komponist vor ihm, eine angemessene Bühne bereitet werden.

In diesem Rahmen gaben François-Xavier Roth und Les Siècles bereits beim Musikfest Berlin Berlioz‘ „Harold en Italie“ zum Besten und schufen damit „ein Feuerwerk farbenprächtigster Fantasie“, wie die Süddeutsche Zeitung im Nachhinein schrieb.

Weiter geht es mit einer Einspielung von einem von Berlioz‘ revolutionärsten Werken. Nachdem Roth und das Orchester, das sich auf Originalklang mit historischen Instrumenten spezialisiert hat, Anfang dieses Jahres mit einer Aufnahme von Berlioz‘ „Harold en Italie“ und „Les nuits d’été“ für Aufmerksamkeit sorgten, wird am 25. Oktober die „Symphonie Fantastique“, Testament seiner Leidenschaft für seine spätere Frau Harriet Smithson, bei harmonia mundi veröffentlicht.

Das Drama in der Symphonie

Im September 1827 hatte Berlioz im Pariser Odéon-Theater die irische Schauspielerin Harriet Smithson die Rolle der Ophélia spielen sehen. Diese einseitige Begegnung war der Beginn einer Geschichte, die der Komponist selbst als das „größte Drama meines Lebens“ bezeichnete. Die Symphonie, die er über seinen Gefühlszustand der folgenden Jahre schrieb, gliederte er dementsprechend in fünf Sätze analog zu den fünf Akten des klassischen Dramas. Die idée fixe, das Motiv der Geliebten, wird in den Sätzen, die einzelnen Szenen entsprechen, verarbeitet.

Vielfältige Einflüsse der Romantik jener jungen Generation der 1820er Jahre fanden Eingang in die Symphonie Fantastique, und alle Regeln der Symphonik wurden mit ihr umgestoßen – um neue Verhältnisse zu schaffen. Ein sorgfältiges Studium des Manuskripts und der Einsatz von Instrumenten aus der Entstehungszeit (mitsamt den Glocken von La CôteSaintAndré!) kommen dieser neuen Aufnahme der „Siècles“ in höchstem Maße zugute.

Obgleich Berlioz mit Ideen wie dem Leitmotiv oder dem musikalischen Drama neue musikalische Maßstäbe setzte – und mit der Symphonie Fantastique Harriet Smithson so sehr beeindruckte, dass sie kaum ein Jahr, nachdem sie das Werk zum ersten Mal gehört hatte, seine Frau wurde – konnte er doch nicht mit dem Erfolg von Zeitgenossen wie Charles Gounoud mithalten. Für François-Xavier Roth und Les Siècles hatte der Komponist trotzdem immer eine besondere Bedeutung: „Berlioz gehört quasi seit der Gründung des Orchesters zu dessen Geschichte“, erzählt Roth. „Seine Musik habe ich über meine Vorgänger und während meiner noch kurzen Laufbahn kennengelernt. […] Man kann sagen, dass Berlioz damals, d.h. in den ersten 2000er Jahren, auf ganz entscheidende, geradezu blitzartige Weise in mein Leben als Dirigent getreten ist und dass er mich seither nie mehr verlassen hat.“

CD „Symphonie Fantastique“ bei harmonia mundi

VÖ: 25. Oktober 2019

Hector Berlioz (1803-1869)

Symphonie Fantastique : Èpisode de la vie d’un artiste, op. 14, H. 48

  1. Rêveries, Passions
  2. Un bal
  3. Scène aux champs
  4. Marche au supplice
  5. Songe d’une nuit de Sabbat

Les Francs-Juges

  1. Ouverture, op. 3, H. 23

Kommende Termine in Deutschland

24./25./26.10.2019: Philharmonie Berlin

14./15.11.2019: Gewandhaus Leipzig

24.11.2019: Alte Oper Frankfurt

08./09./10.12.2019: Kölner Philharmonie

14.12.2019: Elbphilharmonie Hamburg

15.12.2019: Philharmonie Berlin

16.&17.01.2020: Elbphilharmonie Hamburg

19.01.2020: Kölner Philharmonie