Old Souls: Klassiker im neuen Gewand

Die meisten Klassik-Solisten stehen vor dem Problem eines limitierten Repertoires: Wer nicht immer dieselben Stücke spielen oder hauptsächlich Zeitgenössisches zum Besten geben möchte, muss kreativ werden. Das wussten auch Guy Braunstein und Gili Schwarzman, als sie Alisa Weilerstein, Amihai Grosz und Susanna Yoko Henkel dazu einluden, auf ihrem kommenden Album bei Pentatone neue Repertoire-Wege einzuschlagen.

Gerade Flötisten fehlt es oft an einer Vielfalt von Werken. Wie praktisch also, wenn man wie Gili Schwarzmann einen Geigenvirtuosen zum Ehemann hat, der zugleich auch noch ein versierter Arrangeur ist: Für „Old Souls“ arrangierte Guy Braun bekannte Streicher-Werke von Beethoven, Wolf, Dvořák und Kreisler so, dass nun die Flöte im Zentrum steht – und die Stücke im neuen Gewand präsentiert. „Als Künstler wissen wir, wie schwer es ist, die eigene Interpretation auf dem Podium immer wieder aufzufrischen,“ so Schwarzman und Braunstein. „Deshalb glauben wir, dass diese wunderbare Musik enorm davon profitiert, wenn wir sie – als Künstler und als Publikum – einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Dazu können neuartige Klänge und eine andere Atmosphäre beitragen. Das Ergebnis ist eine Win-Win-Situation, in der man gleichermaßen das geliebte, alte Stück genießen und auch eine ganz neue Erfahrung machen kann.“

Mit Alisa Weilerstein, Amihai Grosz und Susanna Yoko Henkel holten sie sich einige Hochkaräter aus dem eigenen Freundeskreis ins Boot, was die Freude am Projekt nur noch weiter steigerte. Die größte Herausforderung bestand darin, eine funktionierende Balance zwischen den Instrumenten herzustellen. Schwarzman erklärt: „Ich musste ein sehr feines und vor allem schwer auszutarierendes Gleichgewicht finden. Zwischen dem glänzenden und funkelnden Flötenklang auf der einen und dem homogenen Verschmelzen mit dem Streicherklang auf der anderen Seite. Als Ensemble wurde uns schnell klar, dass es in einigen Stücken besondere Momente gibt, in denen wir diesen besonderen Glanz der Flöte für die Musik besonders nutzen möchten. In Hugo Wolfs ‚Italienischer Serenade‘ gibt es dafür zahlreiche Beispiele und wir alle fanden es herrlich, wie die Flöte dann dort über den Streichern leuchtet!“

Zum Programm des Albums gehören neben Wolfs Serenade auch Dvořáks Streichquartett op. 96, Beethovens Violinsonate op. 23 und Kreislers Syncopation. Ihnen allen steht das neue Gewand ausgezeichnet.

Gili Schwarzman, Guy Braunstein, Alisa Weilerstein, Amihai Grosz und Susanna Yoko Henkel
Old Souls
VÖ auf Pentatone am 28. September 2019