Raphaël Pichon und das Ensemble Pygmalion: Mozart für Freigeister

„Libertà!“ steht für Mozarts Schaffen der Jahre 1782 bis 1786: Er hat sich von der strengen Kontrolle durch den Erzbischof Colloredo und der provinziellen Atmosphäre in Salzburg befreit und ist nach Wien umgezogen. Nach dem Erfolg der „Entführung aus dem Serail“ geht er auf die Suche nach dem Opernlibretto, das seinen hohen Ansprüchen genügen kann. Bevor es zu der Begegnung mit Lorenzo Da Ponte kommt, arbeitet er an mehreren Opern, die freilich unvollendet bleiben, schreibt zahlreiche Konzertarien oder Arien, die dafür bestimmt sind, in die Werke seiner Zeitgenossen eingefügt zu werden, und entwirft Szenen und Ensembles. Für Raphaël Pichon – und sein Ensemble Pygmalion – bieten die Stücke tiefe Einblicke in den allmählichen Reifeprozess des Komponisten: „Es ist meines Erachtens diese Art von Stilübung, durch die Mozart zu seiner endgültigen Handschrift fand: Man könnte sagen, dass er nunmehr die Figuren „inszeniert“, indem er die komplexe Psychologie der verschiedenen Protagonisten bestimmt und enthüllt und dadurch über den gesungenen Text hinaus zu rühren vermag.“

Die Werke, die Raphaël Pichon hier versammelt, werden von einem sorgfältig ausgewählten Sängerensemble interpretiert. Sie atmen den Geist der künstlerischen Freiheit sowie einer neuen Philosophie, und stellen regelrechte dramaturgische und musikalische Experimente dar, die bereits den Keim der genialen Da-Ponte-Trilogie in sich tragen.

Über Raphaël Pichon und Pygmalion

Raphaël Pichon machte seine ersten musikalischen Erfahrungen im Kinderchor von Versailles und studierte später Gesang, Violine und Klavier am Pariser Konservatorium. Als Countertenor sang er schließlich nicht nur unter Leonhardt, sondern auch unter Jordi Savall, Ton Koopman und Geoffroy Jourdain, mit dem er zeitgenössische Werke aufführte. 2006 gründete Pichon Pygmalion, zu dem nicht nur ein auf historische Instrumente spezialisiertes Ensemble gehört, sondern auch ein renommierter Chor. Pygmalion sind heute Associate Ensemblean der Opéra de Bordeaux, treten regelmäßig bei führenden Festivals und Konzerthäusern auf – darunter das Brüsseler BOZAR und die Philharmonie die Paris – und gewannen 2018 mit einer Einspielungcvon Werken aus der Zeit der Medici auf Harmonia Mundi einen OPUS KLASSIK in der Kategorie „Operneinspielung des Jahres (Oper bis inkl. 17./18. Jahrhundert)“.

Raphaël Pichon und Pygmalion arbeiten bereits seit 2014 mit Harmonia Mundi zusammen; bislang entstanden Aufnahmen von Bachs Köthener Trauermusik, RameausCastor et Pollux sowie ein Programm namens Rheinmädchen, eine neue Fassung von Dardanus, Rossis Orfeo, eine Zusammenstellung aus Werken von Gluck und Rameau in Zusammenarbeit mit Stéphane Degout sowie das bereits erwähnte preisgekrönte Medici-Projekt Stravaganza d’Amore!. Auf Erato veröffentlichte Pichon zudem Mozart and the Weber Sisters, das er gemeinsam mit Sabine Devieilhe aufnahm. Neben dem OPUS KLASSIK erhielt er für seine Einspielungen bereits den Gramophone Award, den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Diapaspn d’Or, den Victoire de la Musique und den Edison Klassiek Award.

 

Libertà! Mozart et l’Opéra

Raphaël Pichon | Ensemble Pygmalion

Sabine Devieilhe, Sopran
Siobhan Stagg, Sopran
Serena Malfi, Mezzosopran
Linard Vrielink, Tenor
John Chest, Bariton
Nahuel di Pierro, Bass

VÖ 30.08. auf Harmonia Mundi

 

Kommende Termine:

Mozart: Requiem | Mozart und seine Zeitgenossen | Mozart: Die letzten Sinfonien und Arien

03.–19.07.19   Festival d‘Aix-en-Provence (Raphaël Pichon und Pygmalion)

Libertà!

17./18.08.19    Salzburger Festspiele (Raphaël Pichon)

J. S. Bach: Motetten

31.08.19          Musikfest Bremen (Raphaël Pichon und Pygmalion)