Hilary Hahn komplettiert Bach-Zyklus

Am 5. Oktober 2018 veröffentlicht Hilary Hahn die Partita Nr. 1 sowie die Sonaten 1 und 2 von Johann Sebastian Bach

Als Hilary Hahn plays Bach im Jahr 1997 bei Sony erschien, waren die Kritiker erstaunt, dass eine Künstlerin Bach-Soli für Ihr Debütalbum wählte; außerdem verblüffte ihr elegantes Herangehen an die technischen und interpretatorischen Herausforderungen dieser Musik in einem so jungen Alter. Der Bach-Experte Nicholas Anderson schrieb seinerzeit im BBC Music Magazine: „Bachs sechs unbegleitete Soli – jeweils drei Partiten und Sonaten – wurden lange als Höhepunkt der Violinpartituren und das schwierigste aller Ziele für ehrgeizige Instrumentalisten betrachtet … Hahns Liebe zu Bachs Music wird bei fast jedem Doppelvorschlag offensichtlich; und der Schlusssatz der C-Dur-Sonate ist eine tour de force. Ich möchte unbedingt mehr hören.” Stereo Review schrieb: „Ich würde so weit gehen zu sagen, dass ich dieses legendäre, unmögliche Musikstück nie auf einem höheren Niveau gehört habe – technisch wie musikalisch –, als Hahn es auf ihrer Debüt-CD spielt. Das ist einfach eine großartige Darbietung, vollkommen echt in all ihren Einzelteilen und durchdrungen von einer Tiefe und Weisheit, die über das Alter der Künstlerin hinwegtäuschen. Anders als die meisten Violinisten, die diese Musik spielen, beherrscht sie sie wirklich, und das gibt ihr die Freiheit, sie mit Seele zu spielen.”

„Seitdem ist keine Woche vergangen, ohne dass mich jemand aus dem Publikum gefragt hätte, wann ich den Rest des Zyklus‘ aufnehme,” sagte Hahn, nachdem sie mit 17 ihr erstes Album Hilary Hahn plays Bach herausgebracht hatte, das bei Kritik und Öffentlichkeit zu einem Riesenerfolg geworden ist. Mit 38 vervollständigt sie nun ihre Aufnahmen der Bach-Sonaten und -Partiten für Solovioline mit einem Album, das am 05. Oktober 2018 bei Decca Classics erscheint. Das neue Album enthält die erste Partita sowie die erste und zweite Sonate.

Hahns Beziehung zu Bach geht auf ihr frühestes Violinstudium zurück, für das sie jeden Tag einen Satz der Sonaten oder Partiten übte oder vorspielte. Sie arbeitet weiterhin fast jeden Tag an den Bach-Soli, nimmt bei vielen Auftritten eine Sonate oder Partita ins Programm auf, spielt einzelne Sätze als Zugabe nach Konzerten und präsentiert Bach bei ihren spontanen „Mini-Konzerten“ für Babys und deren Eltern, Häkelkreise und Yogastudios. Vor allem aber liebt sie diese Musik nach wie vor und betrachtet sie als Quelle für innere Einkehr, aber auch Herausforderungen.

„Bach lässt einem nichts ungestraft durchgehen“, erklärte Hahn im Jahr 2000 in einer Coverstory des Magazins Gramophone. „Man darf sich nicht auf die Technik konzentrieren und die Phrasierung vergessen, und man darf sich nicht auf die Phrasierung konzentrieren und die Technik vergessen, weil weder das eine noch das andere funktioniert. Außerdem muss man die Stimmlagen ausbalancieren. Es ist eine Herausforderung, jede Stimmlage individuell zu phrasieren, alles technisch so zu spielen, wie es sein sollte, und die verschiedenen Stimmlagen wie aus einem Guss klingen zu lassen. Man muss viel nachdenken und viel spielen, um an den Punkt zu gelangen, wo man sich dabei wohlfühlen kann.”

Genauso wie Hahn wusste, dass es – trotz der Skepsis alter Hasen in der Musikbranche – bei ihrem ersten Album um Bach gehen sollte, wusste sie auch, dass nun der richtige Zeitpunkt war, den Rest des Zyklus‘ aufzunehmen. „Was Sie bei dieser Vervollständigung meines Bach-Zyklus hören, ist die beste Aufnahme, die ich an diesem Punkt meines Lebens aus meiner Sicht anbieten kann“, erklärt sie. „Ich liebe diese Stücke. Sich der Freiheit des Augenblicks hinzugeben, ist die einzige Möglichkeit, eine ehrliche Aufführung zu erreichen. Die Augenblicke und großen Gesten, die Bach den Violinisten mit diesen Arbeiten geschenkt hat, sind auf eine magische Weise grenzenlos.“ Und sie fügt hinzu: „Ich habe mir diese Aufnahme als mein Bindeglied in einer langen Kette von Bach-Traditionen vorgestellt. Aber jetzt, wo das Album fertig ist, merke ich, dass die beste Art, das Kontinuum anzuerkennen, das Bachs Werke für Solovioline verkörpern, darin besteht, diese Stücke einfach zu würdigen, wenn sie gebraucht werden – was immer das für Sie bedeutet. Ob Sie die Sonaten und Partiten als Violinist oder Zuhörer erleben, ob allein oder gemeinsam mit anderen – ich hoffe, dass sie dieselbe Tiefe, dieselbe Emotion, denselben Humor und dieselbe Träumerei in Ihr Leben bringen wie in meines.“

Die dreifache Grammy-Gewinnerin Hahn hat zwölf Alben bei der Deutschen Grammophon und fünf Aufnahmen bei Sony veröffentlicht, außerdem drei DVDs, eine oscar-nominierte Filmmusik, eine preisgekrönte Aufnahme für Kinder sowie verschiedene Sammelwerke. Dies wird ihr erstes Album bei Decca sein. Den ersten Grammy brachte ihr im Jahr 2003 ein Album mit Brahms- und Strawinsky-Konzerten ein, gefolgt von einem Grammy für ihre Koppelung der Schönberg- und Sibelius-Konzerte, die sich 23 Wochen lang in den Charts hielt. Im Jahr 2010 gewann Jennifer Higdons Violinkonzert, das für Hahn komponiert wurde und das sie zusammen mit dem Tschaikowski-Violinkonzert aufnahm, den Pulitzerpreis. Ihren letzten Grammy bekam sie für In 27 Pieces: The Hilary Hahn Encores, ein mehrjähriges Projekt mit Auftragswerken zur Erstellung eines neuen Kanons von Violinzugaben.

Ihr letztes Album war eine retrospektive Sammlung, die auch neues Live-Material und Kunst von ihren Fans enthielt. Damit setzte sie eine jahrzehntelange Tradition fort, Fankunst bei Konzerten zu sammeln. Hahn ist bekannt für ihre natürliche Fähigkeit, Kontakt zu ihren Fans zu schaffen – von den Kunstprojekten über ihre Serie von YouTube-Interviews bis hin zu ihren Beiträgen unter dem Namen „violincase“ über das Leben einer Konzertviolinistin auf Twitter und Instagram. Ihre Neugier geht weit über Musik hinaus, und sie war eine frühe Bloggerin, die ihren Fans „Postkarten“ von Tourneen schickte. Vor kurzem schuf sie das Instagram-Projekt #100DaysOfPractice, für das sie Videos postete, die sie hundert Tage lang unmittelbar beim Üben zeigen – damit teilt sie ihre Arbeit hinter den Kulissen freimütig mit ihren Fans, um gefühlte Barrieren rund um den Schaffensprozess abzubauen.

 

Hilary Hahn – Bach-Solokonzerte 2018/19

09. Oktober 2018
Konzerthaus, Wien

14. Oktober 2018
Maison de la Radio France, Paris

23. Oktober 2018
Lincoln Center, New York

26. Oktober 2018
The Kennedy Center, Washington D.C.

04. November 2018
Davies Symphony Hall, San Francisco

09. November 2018
Royal Conservatory of Music, Toronto

03. / 05. Dezember 2018
Opera Hall, Tokio

21. Dezember 2018
Lotte Hall, Seoul

27. Mai 2019
Philharmonie, Berlin

30. Mai 2019
Wigmore Hall, London

03. Juni 2019
Prinzregntentheater, München

13. Juni 2019
Konzerthaus, Wien