Griechische Nationaloper
Debüt der Griechischen Nationaloper in New York
Die Griechische Nationaloper (GNO) reist zum ersten Mal mit ihrem Orchester nach New York in die Carnegie Hall (Stern Auditorium / Perelman Stage) Am 15. Oktober 2026 präsentiert die GNO dem New Yorker Publikum unter dem Titel Nikos Kazantzakis: An Odyssey in Music ein Panorama griechischer Musik. Auf dem Programm stehen Schlüsselwerke von Manos Hadjidakis, Mikis Theodorakis, Nikos Skalkottas, Dimitri Mitropoulos und Giorgos Koumendakis. Am Pult steht Vassilis Christopoulos, Chefdirigent der Oper Graz. Als Solistinnen treten die Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili und die griechische Sopranistin Maria Kostraki auf, begleitet vom Orchester der GNO und dem Manos Hadjidakis Ensemble. Das Konzert wird durch eine Förderung der Stavros-Niarchos-Stiftung (SNF) ermöglicht mit dem Ziel, die künstlerische Reichweite der Griechischen Nationaloper zu vergrößern. Es ist Teil der Feierlichkeiten zur 30-jährigen Fördertätigkeit der Stiftung.

Nikos Kazantzakis ist der weltweit meistübersetzte griechische Autor. Für das griechische Musikschaffen des 20. und 21. Jahrhunderts war er eine der ergiebigsten Inspirationsquellen. Über Musik und Film hat sein Werk die entlegensten Winkel der Erde erreicht und ihn zu einer der bekanntesten literarischen Gestalten der Welt gemacht. Romane wie Alexis Sorbas, Freiheit oder Tod (Kapitän Michalis), Griechische Passion, Die letzte Versuchung und Askese haben die griechische Kultur rund um den Globus getragen. Sein Werk ist zutiefst philosophisch und tragisch, zugleich im Volk verwurzelt und aus gelebter Erfahrung geschöpft. Es kreist um Freiheit, Schicksal, Glauben und die Selbstüberschreitung des Menschen. Die poetische und dramatische Kraft seiner Texte zog bedeutende griechische Komponisten an. Sie versuchten, die Intensität, die Nachdenklichkeit und den existenziellen Puls von Kazantzakis‘ Welt in ihren Vertonungen hörbar zu machen. Mittelbar hat er das Musikrepertoire in mindestens fünf Gattungen bereichert: Sinfonik, Oper, Ballett, Schauspielmusik und Filmmusik. Die von Kazantzakis inspirierten Kompositionen sind nicht nur musikalische Deutungen seiner Texte. Sie sind auch ein schöpferischer Dialog zwischen Literatur und Musik und haben die musikalische und künstlerische Identität des modernen Griechenlands entscheidend geprägt. Die universelle Sprache der Musik braucht keine „Übersetzung“. Vielleicht ist sie deshalb das geeignetste Mittel, das Publikum auf eine faszinierende Reise durch die Welt des Autors mitzunehmen.
Das Programm in der Carnegie Hall schlägt eine starke musikalische Brücke über mehrere Generationen griechischer Komponisten. Ihre Ästhetik und ihre künstlerischen Wege sind verschieden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie tief von der geistigen Welt Nikos Kazantzakis‘ und von der Insel Kreta inspiriert wurden, sei es als Herkunftsort, als Erbe oder als symbolischer Bezugspunkt.
Kazantzakis‘ Roman Kapitän Michalis war eine zentrale Inspirationsquelle für Manos Hadjidakis (1925–1994). Er schrieb 1966 die Musik für die gleichnamige Bühnenfassung. Kazantzakis‘ Themen wie Freiheit, Opfer und innerer Konflikt verwandelt Hadjidakis nicht in eine epische Erzählung, sondern in einen lyrischen, existenziellen Kommentar. Die Musik leuchtet das Innenleben des Helden aus und tritt in ein bedeutungsvolles Gespräch mit Kazantzakis‘ Text. So entsteht eine eigenständige künstlerische Lesart des Werks. Es singt die Sopranistin Maria Kostraki, begleitet vom Manos Hadjidakis Ensemble.
Die weltweit bekannteste musikalische Verkörperung von Kazantzakis ist zweifellos Zorbas von Mikis Theodorakis(1925–2021). Mit seiner Musik zu Michael Cacoyannis‘ Verfilmung des Romans Alexis Sorbas gab Theodorakis dem Helden eine unverwechselbare musikalische Identität und Stimme. Vor allem der berühmte „Sorbas-Tanz“ wurde international zum Inbegriff griechischen Lebensgefühls. Diesen Teil des Programms interpretiert die renommierte Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili.
Giorgos Koumendakis (geb. 1959) schöpft in seinem sinfonischen Werk Amor Fati (2007) aus Kazantzakis‘ Philosophie und Geist. Er nähert sich der kretischen Musik und dem charakteristischen Kontylies-Stil über eine abstrakte Orchestersprache, ganz ohne traditionelle Instrumente. Das Stück entstand zum 50. Todestag des Schriftstellers. Wie der Titel andeutet, fängt Amor Fati Kazantzakis‘ Gedanken der Annahme des eigenen Schicksals ein, verbunden mit der tiefen Beziehung des Komponisten zur kretischen Musiktradition. Mit diesem Konzert erlebt Amor Fati seine amerikanische Erstaufführung.
Außerdem erklingen zwei Werke der griechischen Kunstmusik, die von der jahrhundertealten Geschichte und Volkskultur Kretas inspiriert sind, jener Insel, die Kazantzakis tief geprägt hat.
Die drei Kretischen Tänze von Nikos Skalkottas (1904–1949) greifen Kreta und seine Musik auf. Skalkottas ist eine herausragende Figur der neueren griechischen Musik. Sein Schaffen reicht von der Griechischen Nationalen Schule und dem Neoklassizismus bis zur Atonalität und zur Zwölftontechnik. Sein bekanntestes Werk, die 36 Griechischen Tänze, beruht auf Volksliedern und traditionellen Melodien aus ganz Griechenland und zeigt die musikalischen Eigenheiten und die Vielfalt der griechischen Landschaften.
Dimitri Mitropoulos (1896–1960) war von der kretischen Kultur fasziniert und komponierte 1919 das Stück Kretisches Fest. Der bedeutende griechische Dirigent des 20. Jahrhunderts und Freund von Nikos Kazantzakis gab sein internationales Debüt bei den Berliner Philharmonikern. Später machte er in Amerika eine glanzvolle Karriere und leitete dort auch die New Yorker Philharmoniker als Musikalischer und Künstlerischer Direktor. Kretisches Fest gehört zu seinen frühen bedeutenden Klavierwerken. Nikos Skalkottas bearbeitete es später für Orchester.
Das Konzert in der Carnegie Hall am 15. Oktober 2026 ist Teil der internationalen Ausrichtung der Griechischen Nationaloper und knüpft an ihre sehr erfolgreichen Tourneen durch Europa, Asien, Australien und Afrika an. Es steht unter der Schirmherrschaft des Generalkonsulats Griechenlands in New York und der Griechisch-Orthodoxen Erzdiözese von Amerika.
Offizielle Unternehmenspartner des Carnegie-Hall-Debüts der Griechischen Nationaloper sind Capital Clean Energy Carriers und Evangelos Marinakis. Marinakis fördert das Werk von Nikos Kazantzakis als Hauptsponsor des Kazantzakis-Museums in Heraklion auf Kreta.
Die langjährige Unterstützung der Griechischen Nationaloper durch die Stavros-Niarchos-Stiftung hat viel bewirkt: Sie hat die internationale künstlerische Präsenz der Oper gestärkt, ihr Publikum vergrößert und ihr künstlerisches Profil geprägt. Das Konzert der GNO in der Carnegie Hall im Rahmen der Feierlichkeiten zur 30-jährigen Fördertätigkeit der SNF ist ein eindrucksvoller Beleg für die Früchte dieser Zusammenarbeit.
Griechische Nationaloper: Nikos Kazantzakis: An Odyssey in Music
15. Oktober 2026 | Beginn: 20:00 Uhr (Ortszeit New York)
Carnegie Hall, Stern Auditorium / Perelman Stage
Manos Hadjidakis, Kapitän Michalis
Mikis Theodorakis, Zorbas (Auszüge)
Nikos Skalkottas, Drei Kretische Tänze
Dimitri Mitropoulos, Kretisches Fest
Giorgos Koumendakis, Amor Fati
Dirigent: Vassilis Christopoulos · Solistinnen: Anita Rachvelishvili, Maria Kostraki
Mit dem Orchester der GNO und dem Manos Hadjidakis Ensemble
Tickets: CarnegieHall.org
Trailer: https://youtu.be/RAa3yRojNsE
Foto: A. Simopoulos