Mit Hirn und Herz: Vitali Alekseenok eröffnet die Opernsaisons an Rhein und Rhône
Der junge Chefdirigent der Deutschen Oper am Rhein debütiert in der kommenden Spielzeit u. a. an der Opéra National de Lyon und der Semperoper Dresden sowie beim DSO Berlin und den Wiener Symphonikern.

Sein Aufstieg an der Deutschen Oper am Rhein gelang in Rekordzeit: 2022 startete Vitali Alekseenok dort als Kapellmeister, ein Jahr später wurde er Erster Kapellmeister sowie stellvertretender Generalmusikdirektor. Seit 2024 hat der 34-Jährige die Position des Chefdirigenten inne. Am 10. September findet hier die erste Opern-Premiere der neuen Saison in Duisburg unter seinem Dirigat statt: ein konzertanter Fidelio mit Texten der ukrainisch-deutschen Schriftstellerin und Ingeborg-Bachmann Preisträgerin, Katja Petrowskaja. Es liest: der Träger des Iffland-Rings, Jens Harzer.
Alekseenoks erstes Gastengagement in der kommenden Saison führt ihn dann vom Rhein an die Rhône: Er debütiert an der Opéra National de Lyon. Am 13. Oktober feiert dort Boris Godunow von Modest Mussorgski Premiere, die Regie der Neuinszenierung übernimmt Vasily Barkhatov. Ein weiteres wichtiges Debüt findet am 4. Januar an der Semperoper Dresden statt: die Wiederaufnahme der Madama Butterfly. Das DSO Berlin dirigiert er erstmals am 13. November und das hr-Sinfonieorchester an Neujahr.
Der Dirigent als Kommunikator
Der gebürtige Belaruse studierte zunächst in Minsk Posaune und anschließend Dirigieren in St. Petersburg. Er wollte Verantwortung für die Musik übernehmen. Vor rund zehn Jahren zog er dann nach Weimar, um sein Dirigierstudium fortzusetzen. „Ich freue mich immer noch jeden Tag über das Partiturstudium. Mit den Orchestern arbeite ich anschließend intensiv und sehr genau. Im Konzert wollen wir Musikerinnen und Musiker uns dann einfach nur noch der Musik hingeben, ihrem Fluss folgen und sie mit voller Kraft dem Publikum mitteilen.“ Welchen Partituren er sich auf diese Weise in der kommenden Spielzeit widmet? Z. B. solchen von Vivaldi, Kodály oder Schönberg. Ebenso setzt er sich mit dem Kernrepertoire auseinander. In vergangenen Spielzeiten war Vitali Alekseenok zu Gast u.a. bei der Staatskapelle Dresden, beim Orchestra e Coro del Maggio Musicale Florenz, beim Klangforum Wien, dem Teatro Comunale di Bologna oder dem mdr-Sinfonieorchester Leipzig sowie beim Beethovenfest Bonn und den Salzburger Festspielen.
Der Oper widmet sich Alekseenok mit ebenso großer Hingabe wie dem Konzert. In der Spielzeit 2025/26 leitet er an der Deutschen Oper am Rhein u. a. die Premieren von Elektra und Nabucco sowie die Wiederaufnahmen Die Walküre, Le nozze di Figaro und Tosca. Außerdem dirigierte er in der Vergangenheit u. a. die erste Aufführung von Wagners Tristan und Isolde an der Nationaloper der Ukraine und die Uraufführung von Pierangelo Valtinonis Il piccolo principe an der Mailänder Scala.
Bei Konzerten ist ihm vor allem die Dramaturgie wichtig: gerne stilübergreifend, aber unbedingt mit Tiefe. Er sagt: „Die Musik soll dem Publikum etwas mitteilen können. Es soll teilhaben.“ Das kommt an. In der Financial Times war zu lesen: „Er ist ein Geschichtenerzähler, der uns in seinen Bann zieht.“ Alekseenok versteht sich als Kommunikator in alle Richtungen. Er spricht fließend Deutsch, natürlich Belarusisch, Italienisch, Ukrainisch, Englisch, Russisch – und lernt gerade Französisch. Aber seine wichtigste Sprache bleibt die Musik. An der Deutschen Oper am Rhein rief er die Reihe Fokus Musik ins Leben, in der er Werke erklärt.
Musik, Mut und Engagement
Alekseenok, der ebenfalls Erster Gastdirigent am Teatro Massimo Bellini in Catania ist, verbindet das Musikalische auch mit Politischem: Er ist künstlerischer Leiter des KharkivMusicFest, das einzige Musikfestival, das noch regelmäßig und intensiv in der Ukraine stattfindet. Die nächste Ausgabe ist für Frühling 2026 geplant. Das Politische spielt generell eine Rolle in seinem Leben: 2020 fuhr Alekseenok nach Belarus, um sich an den Protestbewegungen gegen das Lukaschenko-Regime zu beteiligen. In seine Heimat kann der Dirigent nun nicht mehr reisen. 2021 erschien beim S. Fischer Verlag sein Buch Die weißen Tage von Minsk. Darin reflektiert er auch aus autobiografischer Sicht den Freiheitskampf in Belarus.
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Termine 2025/2026
5. September // Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf)
Konzert zur Saisoneröffnung
ab 10. September // Deutsche Oper am Rhein (Duisburg)
Neuproduktion Fidelio (konzertant)
ab 13. Oktober 2025 // Opéra National de Lyon
Neuproduktion Boris Godunow (Regie: Vasily Barkhatov)
ab 8. November 2025 // Deutsche Oper am Rhein (Duisburg)
Neuproduktion Nabucco (Regie: Ilaria Lanzino)
13. November 2025 // Philharmonie Berlin
DSO Berlin (Debüt im Deutschlandfunk Kultur)
13./14. Dezember 2025 // Dresdner Philharmonie
Dresdner Philharmonie (Solist: Boris Giltburg)
1. Januar 2026 // Kurhaus Wiesbaden
hr-Sinfonieorchester (Solistin: Anastasia Kobekina)
ab 4. Januar 2026 // Semperoper Dresden
Wiederaufnahme Madama Butterfly
7. Februar 2026 // Montpellier
Orchestre National de Montpellier
20./22./23. März 2026 // Tonhalle Düsseldorf
Sternzeichen-Konzerte mit den Düsseldorfer Symphonikern
Frühling 2026: KharkivMusikFest
ab 12. April 2026 // Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf)
Neuproduktion Elektra (Regie: Stephan Kimmig)
10. Mai 2026 // Wiener Musikverein
Wiener Symphoniker (Familienkonzert)
15./16./17. Mai 2026 // Kerkrade, Tilburg, Breda
Philharmonie Zuidnederland (Solistin: Lucie Horsch)
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Foto: Simon Pauly