Griechische Nationaloper – Alternative Stage präsentiert Saison 2025/26

Oper trifft auf radikales Musiktheater: Neue Formen, neue Stimmen, neue Geschichten

Mit über 30 Produktionen, zwei Festivals und zahlreichen Koproduktionen im In- und Ausland geht die Alternative Stage der Griechischen Nationaloper (GNO) in die Saison 2025/26 – und zeigt einmal mehr, warum sie als das kreative Labor für avanciertes Musiktheater in Südosteuropa gilt. Auf der Alternative Stage trifft Oper, auf Musiktheater im erweiterten Sinne – hybride, performative, oft spartenübergreifende Formate, die den Bühnenraum als gesellschaftlichen Resonanzraum neu denken.

Drei neue Opernproduktionen

Monsieur Vénus (30. April/2./3. Mai)

Ein verstörender französischer Skandalroman wird zur Oper: Monsieur Vénus von Rachilde, eine Geschichte voll Geschlechterumkehr, Begierde und Macht, wird in der Regie von Alfredo Arias zur klanglich und visuell radikalisierten Musiktheater-Utopie. Martin Matalon komponiert dazu eine Partitur zwischen Erotik und Abgrund. Eine Queer-Oper der Zukunft – produziert mit belgischen Partnern.

Viva la mamma! (ab 21. Februar)

Donizettis beißende Komödie über den Opernbetrieb bekommt ein Update: Regisseurin Sofia Paschou verwandelt das buffoneske Spiel um Eitelkeiten, Machtspiele und Kunstkatastrophen in eine ironische Hommage an das Theater selbst – mit einer gemischten Besetzung aus Sänger*innen und Schauspieler*innen. Oper über Oper – mit Witz und Wahnsinn.

Η λέξη / Das Wort (18./19. April)

Ein philosophisches Porträt: Der griechische Komponist Alkis Baltas widmet sich dem Leben und Denken Giordano Brunos, der für seine Überzeugungen starb. Ein Musikdrama über Gedankenfreiheit, wissenschaftliche Vision und spirituelle Standhaftigkeit – getragen vom gefeierten Bariton Tassis Christoyannis.

 

Vier neue Musiktheaterarbeiten

Josephine the Singer or The Mouse Folk (ab 27. März)

Kafka als Kabarett: Komponist Kharálampos Goyós und Regisseur Savvas Stroumpos übertragen Kafkas kleine Erzählung über die Sängerin Josephine in ein Musiktheater zwischen Groteske und Poesie. Ein philosophisches Märchen über die fragile Rolle der Kunst in Zeiten des Existenzkampfs.

The 5th Season – Fat Tuesday (16./17. Mai)

Die Berliner Gruppe Novoflot entwickelt aus Vivaldis Vier Jahreszeiten ein surreal-schrilles Karnevalsspektakel – irgendwo zwischen Jazz, Barock, Populärkultur und Performancekunst. Ein musikalischer Maskenball als Reflexionsraum für eine aus den Fugen geratene Welt.

Der Nabel der Welt (7. November)

Klimawandel trifft antike Mythologie: In Der Nabel der Welt wird das Orakel von Delphi zur Umweltflüchtigen. Die Pythia, auf der Flucht aus dem brennenden Mittelmeer, spricht auf einer deutschen Bühne zu uns – ein Theateressay über Zerstörung, Schuld und Hoffnung. Produktion mit dem Deutsch Griechischen Theater Köln.

Tick, Tick… Boom! (ab 6. Dezember)

Das halb-autobiografische Rock‑Musical von Jonathan Larson (dem Schöpfer von Rent), feiert seine griechische Erstaufführung am Greek National Opera Alternative Stage im Stavros‑Niarchos‑Kulturzentrum. Das Stück erzählt in einem Akt mit 14 Songs und drei Schauspieler*innen die Geschichte eines jungen Komponisten kurz vor seinem 30. Geburtstag – voller Zweifeln, Sehnsüchten und dem Kampf zwischen künstlerischer Leidenschaft und gesellschaftlichem Druck.

 

Weitere Produktionen im Überblick

Kassandra (4./5. Oktober)

Die gefeierte Kammeroper von Pablo Ortiz und Sergio Blanco kehrt zurück: eine radikale Neudeutung des antiken Mythos als existenzieller Monolog über Gender, Gewalt und Sprache – eindringlich verkörpert von der trans* Sopranistin María Castillo de Lima.

I Want to See the Pope! (ab 12. Dezember)

Theophrastos Sakellaridis’ Operette aus dem Jahr 1920 glänzt in der Wiederaufnahme mit Schmiss, Witz und scharfer Gesellschaftssatire. Ein Klassiker des griechischen Musiktheaters, der überraschend zeitgemäß wirkt.

Ben and Imo (ab 22. Januar)

Mark Ravenhills fein komponiertes Zwei-Personen-Stück über Benjamin Britten und Imogen Holst lotet die Balance von Nähe, Kunst und Abgrenzung aus. Ein kluges Kammerspiel über schöpferische Spannungen.

Karagiozis as Rigoletto (ab 14. Dezember)

Verdi als Schattenspiel: In dieser originellen Adaption trifft klassische Oper auf die traditionelle Figur des Karagiozis. Unterhaltung mit Tiefgang für die ganze Familie – und ein liebevoller Brückenschlag zwischen Kulturen.

nerό_una puta historia de AMOR (13./14./15. März)

Zwischen Tanz, Theater und Kletter-Performance: Diese griechisch-schweizerische Produktion erzählt von zerbrechender Liebe und der Sehnsucht nach einer neuen Verbindung zur Welt – poetisch, körperlich, roh.

COEX (9./10. Mai)

Ein Konzert als Rauminstallation: Das dissonArt ensemble und die Designgruppe Beetroot entwickeln eine musikalische Wanderung durch die Räume der GNO. Musik von Xenakis, Aperghis & Co. wird zur immersiven Erfahrung.

Bravo Colonello (25./26. Oktober)

Antifaschistische Revue aus dem Jahr 1940, neu arrangiert und mit Archivmaterial angereichert. Ein Werk zwischen Zeitdokument, ironischem Kommentar und musikalischem Statement gegen den Krieg.

Prompters (18./19. Oktober)

Couperin, Monteverdi und Montale treffen in diesem kammermusikalischen Format aufeinander – eine poetische Meditation über Sprache, Klang und Erinnerung, kuratiert und geleitet von Alexandros Gonis.

Always Flowing (19. Mai)

Die Pianistin Christina Panteli widmet sich dem Gesamtwerk von Joseph Papadatos – eine stille, konzentrierte Reflexion über Klang, Zeit und innere Bewegung.

Ensemble KNM Berlin – Crippled Symmetries (21. Mai)

Multimediale Klanginstallation über Recycling und politische Resonanzräume: Kompositionen von Zesses Seglias und eine audiovisuelle Performance über urbane Umnutzung von Klang und Material.

Ensemble Mêtis – The Two Sides of the Atlantic (23. Mai)

Ein musikalischer Dialog zwischen europäischen und amerikanischen Komponist*innen – getragen von Poesie, Farbe und der Suche nach Verbindung über geografische und kulturelle Grenzen hinweg.

DAGIPOLI Dance Co. – 20 Jahre (20./21. September)

Ein inklusives Jubiläum: Das Ensemble mit Tänzer*innen mit körperlichen Besonderheiten feiert zwei Jahrzehnte künstlerischen Aufbruchs – divers, kraftvoll, kompromisslos.

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