Hyeyoon Park
„Silenced“: Neues Album von Geigerin Hyeyoon Park
Die Aufnahme mit dem WDR-Sinfonieorchester unter Gergely Madaras erscheint am 17. Oktober bei Linn Records und verbindet Werke von Schostakowitsch und der niederländischen Komponistin und Halb-Jüdin Henriëtte Bosmans.
Dass sie für ihr neues Album Schostakowitschs 1. Violinkonzert einspielen wollte, stand für Hyeyoon Park von Anfang an fest. „Für mich ist es ein perfektes Meisterwerk“, sagt die 33-Jährige, laut Süddeutscher Zeitung „eine der besten Geigerinnen unserer Zeit“. „Das Violinkonzert ist nicht nur technisch, sondern auch emotional hochanspruchsvoll – und ein wahnsinnig persönliches Werk von Schostakowitsch.“ Es war klar: Dieses gewichtige Werk braucht ein Stück, das ebenbürtig ist in seiner Aussage, seinem musikalischen Anspruch. Hyeyoon Park recherchierte. Und so stieß sie auf das Konzertstück für Violine und Orchester (1935) der niederländischen Komponistin Henriëtte Bosmans (1895-1952). „Beide haben unter Diktaturen gelitten, Schostakowitsch unter Stalins Herrschaft, Bosmans als Halb-Jüdin unter dem Nationalsozialismus“, sagt Park. So erklärt sich der Titel des Albums: „Silenced“. Es erscheint am 17. Oktober bei Linn Records.
Sie sei überglücklich, Bosmans Konzertstück entdeckt und aufgenommen zu haben, sagt Hyeyoon Park. Der Ton des einzigen 20-minütigen Satzes ist rhapsodisch, mit jüdischen Anklängen, aber wenig oder gar keinem Gefühl von Euphorie oder Ekstase – stattdessen: harte Unnachgiebigkeit und bittere Reflexion.
Hyeyoon Park stellte bereits in jungen Jahren einen Rekord auf: 2009 gewann sie mit nur 17 Jahren den ARD-Wettbewerb – als jüngste Preisträgerin aller Zeiten. „Der Gewinn war für mich ein großes Privileg. Er war ein Türöffner: Seitdem habe ich sehr viele Konzerte gespielt und bin viel gereist“, berichtet die Südkoreanerin auf Deutsch, als wäre es ihre Muttersprache. Trotz der Riesenauszeichnung aus München wollte sie weiter lernen. Von 2010 bis 2016 studierte sie bei Christian Tetzlaff an der Kronberg Academy. Zuvor lernte sie bei Antje Weithaas, nachdem sie mit 14 Jahren aus den USA nach Deutschland gezogen ist. Weithaas und Tetzlaff bezeichnet sie als ihre „musikalischen Eltern“. Ein weiterer wichtiger Musiker für sie, mit dem sie in Kronberg häufig zusammenarbeitete: Gidon Kremer. Mit ihm hat sie den Forschungsgeist gemeinsam – die Suche nach den musikalischen Trüffeln. So ist sie auf Henriëtte Bosmans gestoßen. Hyeyoon Park weiß: „Es gibt noch viele hervorragende, aber vernachlässigte Werke zu entdecken.“ Nicht nur von Henriëtte Bosmans.
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Foto: Andrej Grilc

